HSV - Schalke 1:1 : Eine Halbzeit zaubern reicht nicht

Der HSV vergibt im Spitzenspiel gegen Schalke viele Chancen, bleibt aber Tabellenführer. Kevin Kuranyi enttäuscht und wird ausgepfiffen.

Karsten Doneck[Hamburg]
Hamburger SV - FC Schalke 04
Schwacher Auftritt. Kevin Kuranyi im Zweikampf mit Bastian Reinhardt.Foto: dpa

Noch keine 60 Sekunden waren gespielt, da wusste Kevin Kuranyi bereits, was ihm an diesem Sonntag blühte. Da hatte der Stürmer des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 seine erste Ballberührung. Und von den Rängen der Hamburger Arena hallte ihm prompt ein gellendes Pfeifkonzert in den Ohren. Beim 1:1 (1:0) im rassigen Spitzenspiel zwischen dem HSV und Schalke 04 hatte das Hamburger Publikum letztlich aber wenig zu pfeifen. Dazu kam Kuranyi, der sich mit seinem unrühmlichen Abschied aus der deutschen Nationalmannschaft alles andere als beliebt gemacht hat, doch allzu selten an den Ball. Seine Leistung war äußerst mäßig – und schon gar nicht dazu angetan, dass Bundestrainer Joachim Löw seine Entscheidung, Kuranyi aus der Nationalelf zu verbannen, eventuell nachträglich in irgendeiner Form bereuen müsste.

Trochowski brachte den HSV in Führung

Die Leistung des Ex-Nationalspielers passte letztlich so gar nicht zu dem Niveau der Partie. Chancen gab es in der ersten Viertelstunde im Zwei-Minuten-Takt. Mager war allein die Ausbeute. Piotr Trochowski, gestärkt durch sein Tor für die deutsche Nationalmannschaft beim 1:0-Sieg über Wales, brachte den HSV immerhin in Führung. Vorausgegangen war eine Fahrlässigkeit von Engelaar  im Spielaufbau. „Wir haben in der ersten Halbzeit viel Druck ausgeübt“, sagte Trochowski, haderte aber auch: „Wir müssen da zwei, drei Tore machen. Unsere Abwehr ist so gut, da wäre dann kein Gegner mehr rangekommen.“

Höwedes glich zwei Minuten nach seiner Einwechslung aus

Der HSV aber begnügte sich mit einem Tor – und Schalke kam dank einer Einwechslung ran: Für Mladen Krstajic erschien zur zweiten Hälfte Benedikt Höwedes auf dem Feld. Der 20-Jährige schaffte 120 Sekunden später mit einem präzisen Kopfball nach Freistoß von Farfan den Ausgleich. Fast hätte Höwedes noch ein anderer Einwechselspieler den Rang als Held des Spiels abgelaufen. Beim HSV saß Mladen Petric, der Torjäger vom Dienst, lange auf der Bank. Mit einem Magen-Darm-Infekt war der Kroate von den WM-Qualifikationsspielen seines Landes nach Hamburg zurückgekehrt. Trotzdem schickte HSV-Trainer Martin Jol nach einer Stunde Petric aufs Feld. Drei Minuten dauerte es, da servierte ihm Ivica Olic von weit linksaußen den Ball. Petric rutschte in den scharfen Pass hinein, aus drei Metern traf er den Pfosten.

Dennoch nahm Hamburgs Trainer Jol den Verlust von zwei Punkten in einem Heimspiel relativ unbekümmert hin. „Ich kann damit leben“, sagte er. „Wir sind jetzt wieder Spitzenreiter der Bundesliga, das ist doch erfreulich.“ Nur seine Spieler können sich mit solcher Genügsamkeit nicht so recht anfreunden. Trochowski ärgerte sich: „Wir haben uns in der zweiten Halbzeit zu viele Fouls bei uns in Strafraumnähe geleistet, durch so etwas kommt Unruhe rein.“

Kuranyi wurde nach 63 Minuten ausgewechselt

Trochowskis früherer Nationalmannschaftskollege Kuranyi verschwand nach knapp einer Stunde in der Kabine. Aufgefallen war er nur einmal wirklich – exakt zwei Minuten vor seiner Auswechslung in der 63. Minute. Da wuchtete der Mann mit der Trikotnummer 22 einen Kopfball nach Freistoß von Jefferson Farfan knapp neben das Hamburger Tor. Andreas Müller, der Schalker Manager, steht dennoch fest zu dem Stürmer. „Es wird beim ihm vorangehen, step by step“, sagte er. Das Vertrauen des Managers teilen zumindest die Schalker Fans. „Ku-ran-yi, Ku-ran-yi“, riefen die aus Gelsenkirchen angereisten Fans. Reaktion von der Gegentribüne: gellende Pfiffe. Zuvor hatten die HSV-Anhänger ihr Mütchen bereits gekühlt, indem sie in Richtung Kuranyi lauthals sangen: „Nie mehr Nationalelf, nie mehr.“

Kevin Kuranyi selbst wollte dazu gar nichts mehr sagen. Die Begründung für seine vorzeitige Auswechslung überließ er Trainer Fred Rutten. Der sagte: „Kevin war körperlich nicht mehr in der Lage, die notwendige Arbeit zu erledigen. Er hat in dieser Woche ja auch weniger trainiert.“

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