HSV : Spielerberater als Sportchef

Roman Grill könnte ins HSV-Führungsteam rücken – aber nicht jedem behagt das. Am Dienstag soll er dem HSV-Aufsichtsrat seine Ideen vorstellen.

Frank Heike[Hamburg]
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Hoch hinaus. Auch dank Torschütze Piotr Trochowski eroberte der HSV mit dem Sieg gegen Köln die Tabellenspitze. -Foto: ddp

Am Montag verabschiedeten sich die Nationalspieler in alle Richtungen, um für ihre Länder in der WM-Qualifikation anzutreten. Das Training beim Hamburger SV fiel deshalb mangels Masse aus. Zeit für die Verantwortlichen, sich zurückzulehnen und die schöne Tabelle zu genießen, an deren Spitze der Klub seit dem 3:1-Sieg gegen den 1. FC Köln am Sonntagabend steht? Wohl kaum. Denn in dieser Saison macht der HSV nicht nur mit seinen Leistungen auf dem Rasen Schlagzeilen. Erst das Zerwürfnis zwischen Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer, das im Juni mit dem Rauswurf des Sportchefs Beiersdorfer endete. Dann am Wochenende die unangenehme Geschichte um die verdeckte Millionenzahlung für den nur scheinbar ablösefreien Zé Roberto. Und nun ein Spielerberater als Sportchef ante portas, von dem einige Führungsspieler nur ganz wenig halten – dass der Hamburger SV die Tabelle vor der Länderspielpause anführt, ging fast unter.

An diesem Dienstag soll Roman Grill den zwölf Aufsichtsräten des HSV sich und seine Ideen vorstellen. Der Münchner Grill berät unter anderem die Profis Piotr Trochowski und Philipp Lahm; er ist der Favorit des HSV-Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann. Auch der ehemalige Bayern-Spieler Oliver Kreutzer darf sich geringe Hoffnungen auf die Beiersdorfer-Nachfolge machen. Intern gilt aber als ausgemacht, dass die Räte den 39 Jahre alten Grill durchwinken und Kreutzer so wenig Chancen hat wie zuvor Teammanager Bernd Wehmeyer, der vom Räte-Chef Horst Becker den Hinweis erhielt, dass er nicht unbedingt ihr Mann sei – und sich daraufhin zurückzog. Soll Kreutzer sich überhaupt nur vorstellen, um den Räten eine Wahlmöglichkeit zu geben? Profis wie Frank Rost und Joris Mathijsen beobachten genau, wie Hoffmann seine Machtposition immer weiter ausbaut. Beiersdorfer war ja oft genug sein Gegenspieler, Grill wäre ein Sportchef von Hoffmanns Gnaden. Und zudem ein Vorgesetzter mit großer Nähe zu einigen wenigen Profis. Rost sagte: „Es wirft Fragen auf, wenn ein Spielervermittler bei uns Sportchef werden soll. Das ist ein Thema in der Mannschaft.“ Und Mathijsen ergänzte: „Es muss Ruhe einkehren. Im Team wird viel darüber geredet.“ Dass Grill als Angestellter der Bayern-Pressestelle Owen Hargreaves bei anderen Klubs anbot, soll ihn damals den Job gekostet haben.

Es gibt also einiges, was brodelt beim HSV, da ist es beruhigend, dass es sportlich so gut läuft. Gegen tief stehende Kölner gelang der Sieg am Sonntag durch Kampf und Einsatz, nicht durch Spielkultur wie zuletzt gegen Dortmund und in Wolfsburg. Trainer Bruno Labbadia freute sich, dass seine Mannschaft ein anderes, weniger schönes Gesicht gezeigt und trotzdem gewonnen hatte. „Diesmal ging es nur über Arbeit. Wir haben uns den Sieg redlich verdient.“

In Paolo Guerrero war ausgerechnet der Spieler der Tagesbeste, der vor einer Woche beim VfL noch die größten Chancen ausgelassen hatte. Seine Treffer zum 1:0 und 2:0 ebneten den Weg an die Tabellenspitze, der nach Chihis wundervollem Anschlusstreffer in der 76. Minute wieder etwas steiniger wurde. Erst als Grill-Klient Piotr Trochowski per Foulelfmeter den Schlusspunkt gegen den alten und neuen Tabellenletzten setzte, stimmten die Fans wieder ihr Lied vom Deutschen Meister HSV an.

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