HSV vorn : Der Norden ist oben

2:1 bei Bayer Leverkusen – der Hamburger SV überholt Hoffenheim und ist neuer Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga.

Christiane Mitatselis[Düsseldorf]
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Hamburg, wie es springt und lacht. Der zweifache Torschütze Marcell Jansen (l.) und Dennis Aogo bejubeln sich.Foto: ddp

Zwischen Hamburg und Düsseldorf liegen zwar mehr als 400 Kilometer, am Sonntag konnte sich der HSV aber im Rheinland zu Hause fühlen – zumindest in der LTU-Arena, denn dort kam Heimspielatmosphäre auf. Die Anhänger von Bayer Leverkusen hatten ihre Fahnen schon eingepackt und die Düsseldorfer Notherberge schnell verlassen. Etwa 8000 Hamburger Fans hingegen blieben, sie genossen den Moment und feierten ihre Profis, die ihnen kurz zuvor das vorläufig größtmögliche Glück beschert hatten: Einen 2:1 (1:1)-Sieg bei Bayer, durch den die Hamburger sich wieder an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga setzten. Hamburger Held des Tages war Nationalspieler Marcell Janssen, der beide HSV-Tore erzielt hatte.

Martin Jol, der gelegentlich grummelige Trainer des Hamburger SV, schien sehr glücklich, jedenfalls war ein Hauch von Lächeln in seinem Gesicht zu erkennen: „Wenn man so ein Spiel macht gegen Leverkusen, gegen eine der spielstärksten Mannschaften der Bundesliga, dann muss man zufrieden sein“, sagte der Niederländer. Sein Leverkusener Kollege Bruno Labbadia bemerkte bedrückt: „Meine Mannschaft hat großen Aufwand betrieben und ist dafür nicht belohnt worden.“ Seine Elf hatte einen schweren Tag hinter sich. Zwar kamen am Sonntag 40 000 Zuschauer in die Arena, viele waren jedoch neutrale Beobachter, sodass die HSV-Anhänger die Leverkusener übertönen konnten. Dabei hätte Bayer Unterstützung gebraucht. Die junge Mannschaft versuchte fast verzweifelt, Hamburg mit ihrem schönen Spiel zu besiegen. Was aber nicht funktionierte, da Jols physisch und taktisch starkes Team Bayer tüchtig rennen ließ, die Angriffe aber meist schon im Mittelfeld entschärfte. Und wenn die emsigen Leverkusener durchkamen, fehlte ihnen zu oft Entschlossenheit im Abschluss.

Die eiskalten Hamburger brillierten hingegen mit Effizienz – zum Beispiel in der 18. Minute: Nachdem Bayer elanvoll in Partie gestartet war, beging Verteidiger Henrique auf der rechten Seite ein Stellungsfehler gegen Paolo Guerrero, der flanken konnte. Den Ball bekam Marcell Janssen, der aus 16 Metern zum 1:0 traf. Seinen Schuss, obwohl abgefeuert mit dem schwächeren rechten Fuß, konnte René Adler nicht halten.

Mit der Führung im Rücken kontrollierte der HSV das Spiel, gewann mehr Zweikämpfe und hatte fünf Minuten später durch David Jarolim, der knapp an Adlers Tor vorbei schoss, eine weitere gute Chance. Wie aus dem Nichts fiel nach einer halben Stunde Ausgleich – ein typisches Helmes-Tor: Manuel Friedrich brachte den Ball in den Strafraum, Patrick Helmes nahm ihn direkt an und zog ab – was so schnell ging, dass Keeper Frank Rost ein paar Sekunden brauchte, um zu realisieren, dass der Ausgleich gefallen war. Es war Helmes’ 16. Saisontreffer.

Nach dem Seitenwechsel stürmte Leverkusen, aber Hamburg traf. Nachdem Friedrich gegen Ivica Olic auf der Linie geklärt hatte, glaubten die Leverkusener, die Gefahr sei gebannt. Ein Irrtum. Der eingewechselte Jerome Boateng kam an den Ball, Guerrero brachte dessen Rechtsflanke zu Janssen. Und diesmal ließ der Defensivmann dem Bayer-Torhüter per Volleyschuss mit dem starken linken Fuß aus etwa sieben Metern keine Chance. Damit war Leverkusen ausgeknockt. Selbst dass kurz vor Schluss Boateng noch die Gelb-Rote Karte sah, steckten die Hamburger locker weg.

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