Sport : Hürdenlauf: Tränen der Freude, Tränen des Schmerzes

Mit ihrem Olympiasieg in 53,02 Sekunden gelang Priwalowa der Triumph, der ihr als 100-m-Europarekordlerin (10,77) immer versagt blieb. Die 31-jährige Russin katapultierte sich damit gleich in ihrer ersten Saison als Hürdenläuferin an die Weltspitze. Priwalowa ist die Umsteigerin des Jahres. Noch 1999 wollte sie bei der WM Marion Jones Paroli bieten. Doch dazu kam sie wegen einer erneuten Verletzung gar nicht erst. Angesichts ihrer Vielseitigkeit war ein Disziplinwechsel nur folgerichtig. "Die 400 m Hürden sind ein einfacheres Rennen für mich", sagte sie zu ihrem Umstieg.

Ganz anders die Situation bei Gail Devers: ein stechender Schmerz, ein ungläubiger Blick, dann blieb die US-Amerikanerin auf halber Strecke einfach stehen. Mit Tränen in den Augen sah die 33-Jährige, die in Sydney mit Gold über 100 m Hürden ein historisches Double vollenden wollte, der Konkurrenz im Halbfinale hinterher.

Als zwei Stunden später Olga Schischigina aus Kasachstan, die von 1996 bis 1998 wegen Dopings gesperrt war, in 12,65 Sekunden Olympiasiegerin wurde, hatte sich Gail Devers schon wieder gefasst. "Ich habe zu Gott gebetet, dass er mir da durch hilft, aber das war heute nicht sein Plan", sagte die dreimalige Olympiasiegerin.

Fast jeden Kampf gewann Gail Devers in ihrem Leben, nur den gegen die Hürden nicht. 1992 in Barcelona holte sie über 100 m erstmals Gold, 1996 in Atlanta noch mal und siegte dann auch noch mit der Staffel. Den größten Erfolg aber feierte sie, bevor ihre Laufbahn richtig begonnen hatte. Vor zwölf Jahren litt sie an einer Stoffwechselerkrankung, die Ärzte wollten ihr bereits beide Beine amputieren, doch Gail Devers lief dem nahenden Tod wie durch ein Wunder davon.

Nur über die Hürdenstrecke war ihr das Schicksal nicht gnädig. 1992 in Barcelona krachte sie in Führung liegend in die letzte Hürde, 1996 in Atlanta strauchelte sie kurz vor dem Ziel und wurde nur Vierte. Bei den US-Trials 2000 war sie in 12,33 Sekunden Jahresweltbestzeit gelaufen. Sie kam als Goldkandidatin nach Sydney, sie geht als tragische Figur.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben