Sport : Hunde und Millionäre

In Indien prallen Kontraste aufeinander – die Formel 1 und ein Land, das arm ist, aber begeistert

Karin Sturm[Noida]
Schnell wie ein Weltmeister. Ein Hund hielt das Rennpersonal in Atem. Foto: Reuters
Schnell wie ein Weltmeister. Ein Hund hielt das Rennpersonal in Atem. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Es ist nicht ganz unkompliziert, einen Grand Prix zu veranstalten in einem Land, in dem ein Großteil der Bevölkerung – Wirtschaftswachstum hin oder her – ganz andere Probleme hat als die Formel 1. Vor allem, wenn nicht der Staat hinter dem ganzen Event steht, sondern ein privater Veranstalter wie Jaypee Sports. Insofern ist es sicherlich eine beachtliche Leistung, dass in Noida, 60 Kilometer von Neu Delhi entfernt, bei der indischen Formel-1-Premiere eine Rennstrecke steht, die zumindest bei den Fahrern großen Anklang findet. Strecke, Belag und Sicherheitsvorkehrungen funktionieren – bis auf einen Hund, der zu Beginn des Freien Trainings über die Strecke lief und für eine fünfminütige Unterbrechung sorgte.

Rundum gibt es bei einer Premiere wie in Indien das eine oder andere Problem. Etwa die berüchtigte indische Bürokratie, die auch die Fahrer zur Verzweiflung brachte, weil sie 60 bis 70 Seiten Dokumente für ihre Einreise- und Steuerformalitäten unterschreiben mussten. Oder die häufigen Stromausfälle im Fahrerlager, die am Donnerstag für eine Unterbrechung der Pressekonferenz sorgten.

Grundsätzlich öffnet Indien denjenigen im Formel-1-Zirkus die Augen, die bereit sind, sich auf die Realitäten in der Welt jenseits ihrer goldenen Käfige einzulassen. Sebastian Vettel zum Beispiel, der am Mittwoch einen Ausflug zum knapp 200 Kilometer entfernten Taj Mahal unternahm. „Obwohl der Lebensstandard im Vergleich zu Europa viel niedriger ist, sind die Menschen zufrieden“, sagte er.

Was sich natürlich viele fragen: Hat die Formel 1 in einem Land wie Indien – zumindest jetzt schon – etwas zu suchen? Was auf jeden Fall auffällt: Selbst wenn für den größten Teil der Bevölkerung auch die billigsten Tickets, die etwa 40 Euro kosten, unerschwinglich sind – Interesse am Motorsport ist im Gegensatz zu anderen Grand-Prix-Stationen wie Südkorea vorhanden. Es gibt eine Fanbasis und eine lebendige Kart-Szene. In einem Rennen im Rahmenprogramm starten acht junge Inder, in der Formel 1 gibt es mit Force India ein Team, das in indischem Besitz ist. Teamchef Vijay Mallya fördert mit einem Nachwuchsprogramm einheimische Talente. Immerhin ein indischer Fahrer ist im Rennen am Start: Nahrain Karthikeyan hat im HRT aber keinerlei Siegchancen.

„Bis jetzt sind 85 Prozent aller Karten weg, wir gehen davon aus, dass das Rennen ausverkauft sein wird, 14 bis 18 Millionen Euro will der Veranstalter allein über den Kartenverkauf einnehmen“, sagt Vicky Chandhok, Präsident des indischen Motorsportverbandes. Nur mit einer Enttäuschung muss er leben: Sohn Karun, dritter Fahrer bei Lotus, kam nur zu einem Trainingseinsatz am Freitag, nicht wie erhofft zu einem Rennstart am Sonntag.

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