Sport : Hundert Jahre und eine Halla Die deutsche Reiterei feiert Jubiläum

Ingo Wolff

Es ist der berühmteste und bewegendste Ritt eines deutschen Pferdes gewesen: Der zweite Umlauf der Stute Halla mit ihrem Springreiter Hans Günter Winkler bei den Olympischen Spielen 1956 in Stockholm. Dieser Ritt zu Olympiagold treibt noch heute älteren Semestern einen ähnlichen Schauer über den Rücken wie der Gewinn der Fußball-WM zwei Jahre zuvor. Die Bilder von Halla und HG Winkler sind bewusst in den Mittelpunkt einer Übersicht über das letzte Jahrhundert Pferdesport in Deutschland gerückt. Zum 100. Gründungsjubiläum hat die Reiterliche Vereinigung ein Buch über bewegende, ruhmreiche, aber auch unrühmliche Momente der deutschen Reiterei zusammengebracht. Kein Bildband für Pferdenarren, dafür aber ein umfangreiches Nachschlagewerk für alle, die sich für die Pferde im Krieg ebenso interessieren wie für künstliche Befruchtung der Tiere.

Auch Affären wie die um das Barren im Stall von Paul Schockemöhle finden in der mit zahlreichen Randstücken angereicherten Chronik Platz. Und selbst die umstrittene Rolle der Reiterei während der Nazidiktatur wird beleuchtet. Wenn auch nicht in der Tiefe und kritischen Auseinandersetzung, wie es sich viele von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung aktuell zum Jubiläum gewünscht hätten. Da aber die glänzenden Momente in der erfolgreichsten Sportart in Deutschland ohnehin überwiegen, stört auch der Überhang an glücklichen Texten in diesem Buch nicht.

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