Sport : Hurra, ich bin genormt

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Von Jörg Wenig

Dortmund. Wegweisend sollte das gewesen sein, was der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) bei seinem Meeting in Dortmund bot, dem wichtigsten deutschen Sportfest vor den Europameisterschaften in München Anfang August. Die verantwortlichen Funktionäre wollen mit der olympischen Kernsportart „weg vom Meeting – hin zum Event“, um zu verhindern, so DLV-Präsident Clemens Prokop gegenüber einer Agentur, „dass sich die Leichtathletik zu einer Randsportart entwickelt". Die Moderation war ein Fortschritt, die eigens angefahrene Videowand hübsch anzuschauen - aber wegweisend? Bei den großen Meetings ist Derartiges seit Jahren Standard.

Als neuen Event gab es einen Mittelstreckenlauf mit Sprintwertungen nach jeder Runde. Das sah merkwürdig aus und nicht so, als ob es der deutschen Leichtathletik tatsächlich helfen könnte. Nein, neue Erkenntnisse, wie es mit der deutschen Leichtathletik vorangehen kann, gab es in Dortmund nicht. Viel eher wurde wieder offensichtlich, was die Sportart wirklich braucht: Stars, echte Vorbilder. Pech war allerdings, dass einige wie Heike Drechsler, Grit Breuer und Lars Riedel verletzungsbedingt fehlten.

Immerhin, der Shooting-Star der deutschen Leichtathletik 2001, Ingo Schultz (Dortmund), scheint auf einem guten Weg zu sein. Souverän gewann der Vizeweltmeister von Edmonton die 400 m in 45,48 Sekunden und unterbot die EM-Norm. „Ich bin überrascht, dass ich die Norm heute schon gelaufen bin“, sagte Schultz, der in der vergangenen Woche noch so hart trainiert hatte, dass er die Einheit am Donnerstag mit müden Beinen abgebrochen hatte. Nach seinem Erfolg von Edmonton hatte Schultz eine lange Pause gemacht und war auch in der Hallensaison kaum in Erscheinung getreten. Erst vor wenigen Wochen lief er erstmals seit Edmonton ein 400-m-Einzelrennen. „Es ist anstrengend, wieder unter 46 Sekunden zu laufen. Aber mit der nun erreichten Norm kann ich mich beruhigt auf die EM vorbereiten“, erzählte Ingo Schultz. „Ich weiß, dass ich zu den Favoriten zähle, aber mit dieser Erwartungshaltung komme ich klar."

Nicht klar kam Nils Schumann bei seinem Saisondebüt über 800 m. Auf der Zielgeraden ohne die bekannte Spurtkraft, wurde der Olympiasieger vom Belgier Joeri Jansen abgefangen und verpasste in 1:46,41 Minuten auch die EM-Norm deutlich. Nach Interviews war Schumann danach erst mal nicht zu Mute. Lieber schrieb er Autogramme. „Es ist alles im Soll. Das Problem ist“, erklärte Schumann später auf dem Einlaufplatz, „dass die Saison dreieinhalb Monate lang ist. Und man kann nicht dreieinhalb Monate in Topform sein.“

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