Sport : Hurra, sie siegen noch

Kohlschreiber und Kiefer fahren zuversichtlich nach Wimbledon

Berlin - Am Donnerstag war Nicolas Kiefer noch froh gewesen, dass sein Spiel rechtzeitig beendet war. Der bekennenden Fußballfan schaffte es nach seinem Dreisatzsieg über den Russen Michael Juschni gerade noch zum Anpfiff des EM-Vorrundenspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Kroatien. Gestern allerdings hätte der 30-jährige Hannoveraner für seinen Geschmack schon noch etwas länger auf dem Tennisplatz stehen können. Beim Stande von 4:0 im ersten Satz gab sein französischer Gegner Michael Llodra das Spiel verletzungsbedingt auf. Kiefer steht damit im Halbfinale des Rasenturniers in Halle/Westfalen.

Wie im vergangenen Jahr schaffte das auch Philipp Kohlschreiber. Er setzte sich mit 6:4, 7:6 (7:4) gegen Robin Söderling aus Schweden durch, der zuvor Vorjahressieger Thomas Berdych (Tschechien) aus dem Turnier geworfen hatte. In der Runde zuvor hatte sich Kohlschreiber auch gegen die ehemalige deutsche Nummer eins Thomas Haas durchgesetzt. Haas, der nach achtwöchiger Pause sein erstes Turnier bestritt, hinterließ aber auch selbst einen ganz guten Eindruck. Die Frage, ob die Niederlage gegen den sechs Jahre jüngeren Kohlschreiber nun die endgültige Wachablösung im deutschen Tennis bedeute, ließ Haas gleichgültig. „Die Zeiten in denen ich mich dafür interessiert habe, die deutsche Nummer eins zu sein, sind lange vorbei“, sagte Haas nach dem Match. Wegen der alten Schulterverletzung musste er zuletzt erneut aussetzen. „Ich bin einfach froh, dass ich wieder spielen kann“, sagte Haas, „Philipp war am Ende einen Tick besser.“

Überraschend schaffte der 22-jährige Andreas Beck aus Stuttgart, der bisher eher auf kleineren Challenger-Turnieren unterwegs war, als dritter Deutscher den Einzug ins Viertelfinale. Dort besiegte ihn allerdings James Blake 7:6 (7:4), 7:6 (7:5). Der an Nummer zwei gesetzte Amerikaner, der erst seinen achten Matchball verwandelte, trifft nun auf Kohlschreiber. Nicolas Kiefer bekommt es nun mit dem Weltranglistenersten Roger Federer aus der Schweiz zu tun.

Das gute Abschneiden in Halle macht besonders nach dem Debakel bei den French Open, wo bei den Männern nicht ein einziger Deutscher die zweite Runde erreichte, Mut. So kommt wieder Hoffnung auf, dass es beim in gut einer Woche beginnenden dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres in Wimbledon besser laufen könnte. Kiefer konnte die gute Form vom Jahresbeginn bestätigen, nachdem er bei den French Open krankheitsbedingt gar nicht erst angetreten war.

Kohlschreiber, der zuletzt über mangelndes Selbstvertrauen klagte, haben die Siege über Haas und Söderling gut getan. Für den Augsburger ist ein gutes Abschneiden in Wimbledon auch für die Olympischen Spiele von Bedeutung. Bei guten Resultaten könnte Kohlscheiber, der bislang nicht qualifiziert ist, noch eine Nachnominierung für Peking erhalten, um mit Kiefer, dem einzigen Deutschen, der bislang qualifiziert ist, ein Doppel zu stellen. Anke Myrrhe

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