Sport : Hurra, wir verlieren

Die Volleyball-WM wird wegen des Spielplans zu einer Farce

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Berlin - Natürlich schwingt da Ironie mit, aber im Kern redet Kaweh Niroomand sehr ernsthaft. „Die deutschen Volleyballer stehen nach drei Niederlagen unter den besten Zwölf der Welt, das ist auch nicht überall so.“ Das ist vermutlich derzeit nur im Volleyball so, aber so ist es halt nun mal bei der WM in Italien. Gut, sportlich gesehen hält Niroomand, der Manager des Bundesligisten SC Charlottenburg, natürlich wenig von so einer Belohnung für drei Niederlagen, aber strategisch gesehen, da findet er das alles sehr gut. Niroomand denkt ja immer auch ans große Ganze, an die möglichst große Präsenz von Volleyball. Die nützt natürlich im Kleinen auch dem SCC. „Volleyball in Deutschland braucht mal wieder einen Erfolg der Nationalmannschaft“, sagt er also. Eine WM-Medaille, das wär’s. Seit 40 Jahren gab es kein Edelmetall mehr für die Deutschen bei Welttitelkämpfen.

Und diesen Erfolg könnte die Mannschaft von Bundestrainer Raúl Lozano bald erreichen. Noch zwei Siege, dann stünden die Deutschen im Halbfinale. Allerdings traf das Team gestern abend auf die überraschend starken Tschechen (bei redaktionsschluss noch nicht beendet) und heute wartet Titelverteidiger Brasilien.Lozano geht die Spiele gelassen an, zu verlieren hat er nichts. „Auch wenn wir sehr starke Gegner haben, hoffen wir, dass wir hier bleiben können für die Halbfinals. Das ist unser Traum“, sagte er.

Der Papierform nach ist er gar nicht so schwer zu erfüllen, der Traum. Brasilien? Ist doch gar nicht so stark. Das Team hat schließlich gegen die durchschnittlichen Bulgaren 0:3 verloren. Ein Witz natürlich, besser gesagt: ein Ergebnis des „absurden WM-Modus“. So nannte Günter Hamel, Sportdirektor des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV), den Spielplan.

Denn durch den Zeitplan der Gruppenspiele können Mannschaften bewusst verlieren, um sich die besten Gegner für die nächste Runde zu suchen. So hatten es Brasilien und Russland gemacht. Brasilien wollte unbedingt in die leichtere Gruppe, in der die Deutschen spielen. Auf diese Weise würde das Team dem starken Kuba erst mal aus dem Weg gehen. Dazu aber musste das Team gegen Bulgarien verlieren. Damit dieses Projekt auf keinen Fall in Gefahr geriet, hatte sich der brasilianische Trainer was Besonderes ausgedacht. „Das komplette Spiel über agierte der zweite Diagonalspieler Theo als Zuspieler, damit ja nichts schiefgehen konnte“, schrieb der DVV auf seiner Homepage. „Dass Teams absichtlich Spiele verlieren, ist eher unschön“, kritisierte der deutsche Zuspieler Patrick Steuerwald.

Brasiliens Coach Bernardo Rezende war pflichtgemäß empört. „Ich hatte nur einen Zuspieler. Wenn er gespielt hätte, wäre er womöglich für die dritte Runde ausgefallen.“ Die Russen machten es gegen Spanien nicht anders. Russlands Cheftrainer wechselte beim Stand von 2:0 fast alle Stammspieler aus. Und als es trotz allem im fünften Satz 13:13 stand, Russland also Gefahr lief, zu gewinnen, hatten Spaniens Angreifer plötzlich keinen russischen Block mehr vor ihren Augen. Das half: Russland verlor 2:3. (mit dpa)

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