Huub Stevens bei Hertha BSC : Party im Rohbau Olympiastadion

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Berlin. Würden die Fans ihn wohl auspfeifen? Oder mit deftigen Sprüchen begrüßen? Schließlich steht Huub Stevens noch bis Sonntag bei der Konkurrenz unter Vertrag, bei Schalke 04, und diesen Klub können sie in Berlin nicht sonderlich leiden. Doch als Stevens, der neue Trainer von Hertha BSC, am Freitagabend die neuen Trikots seines Berliner Arbeitgebers präsentierte, blieben die Fans artig. Keine Pfiffe, keine Sprüche. Stevens wird in Berlin akzeptiert.

Vielleicht ist es ja seine schroffe, direkte Art, seine Sprüche ohne Schnörkel. Die Menschen in Berlin sollen ja ähnliche Charakterzüge besitzen. Ein Mann wie Stevens dürfte in der Stadt gut ankommen. „Das Saisonziel ist klar“, sagte Stevens, „wir orientieren uns an den ersten sechs Plätzen. Das ist eine Herausforderung. Ein anderes Ziel darf sich Hertha gar nicht setzen.“ Platz sechs als Herausforderung? Wie wäre es mit der Champions League, Herr Stevens? „Ja, natürlich wäre das auch nicht schlecht.“ Mehr wollte Stevens dazu nicht sagen. Trainingsauftakt ist erst am Montag. „Ich bin hungrig“, sagte Stevens noch, „und die Jungs sind es auch.“

Im Beton-Rohbau des U-Bahnhofs Paul-Löbe-Haus hatten die Profis artig mit den Fans gebolzt und ein bisschen über das neue Trikot geplaudert. „Ich finde es sehr, sehr schön“, sagte Eyjölfur Sverrisson. „Ja, sieht ganz gut aus“, sagte Andreas Neuendorf. Was sollen sie auch sagen? Das Trikot ist seit gestern auf dem Markt, für immerhin 65 Euro. Werbung kann da nicht schaden.

Für die Fans hatte Hertha Curry-Wurst, Pommes und Bier spendiert. Die Spieler schnappten sich lieber den Ball. So schnell werden sie ihn wohl nicht mehr sehen, Trainer Stevens hat angekündigt, „erst einmal viel zu arbeiten“. Das klingt verdammt nach Turn-, aber nicht nach Fußballschuhe.

Hinter den Stars hatten sich die Nachwuchsspieler versteckt. Thomasz Kuszczak zum Beispiel, polnischer U-21-Nationalkeeper. Oder Alexander Mladenow, bulgarischer Jugendnationalspieler. Auch Benjamin Köhler stand da. Ihn hatte Hertha nach Duisburg ausgeliehen, in die Zweite Liga. Nun gehört er zu Herthas Profikader.

Als spät am Abend die Musik leiser wurde, hatte auch Denis Lapaczinski ein bisschen Ruhe. Freilich: Richtig Stress hatte er schon lange nicht mehr, seit zweieinhalb Monaten pflegt er seinen Knöchel, der gebrochen war. „Es zieht noch ein bisschen“, sagte er, „aber ich fahre auf jeden Fall ins Trainingslager.“

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