Hype um Sebastian Vettel : Siegerfotos in der Box

Nach seinem Sieg in Monza ist der junge deutsche Formel-1-Pilot vor dem Rennen in Singapur gefragt wie nie zuvor. Er stellt sich dem Ansturm mit großer Gelassenheit.

Karin Sturm[Singapur]
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Wird bei jedem Schritt beobachtet. Sebastian Vettel in Singapur.Foto: dpa

Sebastian Vettels Telefon klingelte nach seinem ersten Grand-Prix-Sieg fast ununterbrochen – und es waren nicht nur Gratulanten, die ihn erreichen wollten. „Es gab auch Anrufe von Leuten, die mein Manager werden wollten – seriöse und weniger seriöse.“ Dem Werben nachgegeben hat Vettel nicht: „Es war nicht der Richtige dabei“, sagt der 21-Jährige, der sich bisher erfolgreich selbst um sein Management kümmert und eigentlich auch nicht vorhat, das in Zukunft zu ändern.

Abgesehen von den Anrufen konnte Vettel dem größten Hype nach der Monza-Sensation erst einmal aus dem Weg gehen. „Im Exil in Spanien“, wie Vettel die in der vergangenen Woche im spanischen Jerez gefahrenen Tests umschreibt. So traf ihn der ganz große Wirbel erst bei seinem ersten Auftritt in Singapur – seine erste Gesprächsrunde für Journalisten war etwa fünfmal so gut besucht wie sonst. „Nach so einem Überraschungssieg gibt es eben einen Hype“, sagte er recht gelassen zu dem gestiegenen Interesse an seiner Person.

Generell hinterlässt Vettel einen entspannten Eindruck. Sein großes Ziel, nämlich mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben, scheint er locker zu erreichen. Nicht nur, weil es ihm auch weiterhin gelingt, immer und überall gut zu schlafen. „Damit hatte ich nie Probleme, auch nach dem Sieg in Monza nicht“, sagt er. Gleichwohl habe er Monza noch vor Augen, besonders die Bilder der Auslaufrunde und der Siegerehrung. „Die werde ich für immer im Kopf behalten.“ Besonders freut ihn, dass der Triumph von Monza kein reiner Zufallstreffer war. „Die Bedingungen waren für alle gleich. Wir haben das Beste daraus gemacht und am Ende verdient gewonnen.“ Was man bei seinem Rennstall Toro Rosso entsprechend würdigt: Unmengen seiner Siegerfotos pflastern die Wände der Team-Box.

Trotzdem kann der jüngste Grand-Prix-Sieger aller Zeiten nicht oft genug betonen, dass man in den kommenden Rennen nun nicht übertrieben hohe Erwartungen haben dürfe. Er werde versuchen, weiter sein Bestes zu geben und in die Top Ten zu fahren. „Wenn es dann hier wieder ein paar Punkte gibt, wäre das fantastisch.“ Vettel ist aber ebenso wichtig, dass er immer gute Arbeit abliefert. Wenn die Leistung stimmt, wäre er auch mit einem zwölften Platz zufrieden. Eine verlässliche Vorhersage für das erste Nachtrennen der Formel-1-Geschichte zu treffen, hält er ohnehin für unmöglich: „Es gibt hier einfach zu viele Unbekannte. Das geht frühestens nach dem ersten Training, wenn man weiß, wie das Auto und man selbst zurecht kommt.“ Er zähle Ferrari und McLaren zu den Favoriten für den Sieg.

Neben der Rennprognose gab es eine Frage, die Vettel am häufigsten gestellt wurde: Ob er denn keine Bedenken habe, im kommenden Jahr mit dem Wechsel zu Red Bull in ein schlechteres Auto zu steigen? Wenige Tage nach seiner ersten Fahrt mit einem Red-Bull-Boliden in Jerez antwortete Vettel diplomatisch: Er habe nicht den Eindruck, dass das Auto wirklich schlechter sei. Auch die angeblichen Unterschiede in der Motorleistung zwischen dem Ferrari-Triebwerk im Toro Ross und dem Renault im Red Bull wollte er nicht wirklich bemerkt haben. „Zuletzt hat man bei Red Bull vielleicht nicht alles herausholen können“, erklärte er die unterschiedlichen Ergebnisse der Teams in der jüngeren Vergangenheit. „Da wird dann aus dem 6. Platz schnell ein 13.“ Er selbst mache sich jedenfalls keine Sorgen über seine Zukunft bei Red Bull. Wahrscheinlich auch deshalb nicht, weil er hofft, als Fahrer den Unterschied zu machen.

Von den aufkeimenden Spekulationen, dass seine Zukunft schon 2009 vielleicht auch woanders als bei Red Bull liegen könnte, will er jedenfalls nichts hören: „Es ist ja bekannt, wo ich in der kommenden Saison fahre.“ Und wenn plötzlich Ferrari vor der Tür stehen sollte? „Dann ist es immer noch bekannt!“

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