Sport : IAAF prüft Baumann: Was lange währt wird (manchmal) gut (Kommentar)

Ernst Podeswa

Um 16 Prozent habe die Zahl der Versuche zugenommen, Dopingmittel ins Land zu schmuggeln. Dies teilte der australische Zoll mit. 1125 Mal wurden Präparate beschlagnahmt, 17 Personen festgenommen.

Das Schiedsgericht des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF hat in letzter Instanz gegen drei britische Leichtathleten eine Sperre von zwei Jahren ausgesprochen. Betroffen sind der 100-m-Olympiasieger von 1992, Linford Christie, der 200-m-Europameister Doug Walker und der 400-m-Hürdenspezialist Gary Cadogan. Christie (40), wie Cadogan nicht mehr aktiv, wird in Sydney keine Trainer-Akkreditierung erhalten.

Zwei Meldungen, die verdeutlichen: Dopingmittel werden ähnlich wie Drogen weltweit gehandelt. Und so fahrlässig, wie mitunter behauptet, gehen die Welt-Verbände mit der Dopingseuche nicht um.

Den drei Athleten war das verbotene Muskelaufbau-Präparat Nandrolon nachgewiesen worden. Christie schon bei einer Kontrolle im Februar 1999 in Dortmund. Alle drei hatten ihre Unschuld beteuert und waren daraufhin vom britischen Verband laufen gelassen worden.

Ihre Fälle schmorten lange. Nun hat das IAAF-Schiedsgericht vier Tage in Monte Carlo das Für und Wider abgewogen. Das Urteil darf - aus der Sicht des Antidopingkampfes - so kommentiert werden: was länge währt, wird (manchmal) gut. Und pauschale Vorwürfe, laut geworden im Zusammenhang mit der umstrittenen Aufhebung der Suspendierungen von Merlene Ottey (Jamaika) und Javier Sotomayor (Kuba), die IAAF sei mit ihren Antidopingbemühungen unglaubwürdig geworden, treffen nicht zu.

Das bestätigt eine dritte Nachricht: Das IAAF-Schiedsgericht will noch vor Beginn der Spiele am 15. September die Dopingaffäre Dieter Baumann abschließend bewerten. Das darf man positiv sehen: Man stelle sich vor, Baumann läuft, gewinnt eine Medaille - und muss sie Wochen später zurückgeben. Eine Blamage für die IAAF.

Trotz mancher Parallelen - Nandrolon-Nachweis, nationaler Freispruch - zwischen dem Trio und Baumann dürften voreilige Schlüsse nicht angebracht sein. Denn wie sagt man doch: Vor Gericht und auf See liegt alles in Gottes Hand...

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