Sport : Iain Fraser: Der letzte Check

Claus Vetter

Am Donnerstag schaute Roger Wittmann mal wieder an seiner alten Wirkungsstätte vorbei. In den Katakomben der Eissporthalle an der Jafféstraße verteilte der frühere Manager der Berlin Capitals gutgelaunt Komplimente an seine einstigen Lieblinge. Einer kam besonders gut weg: Iain Fraser. "Du machst deine Sache hervorragend, ehrlich", sprach Wittmann. "Wenn du zufrieden bist", erwiderte Fraser, "dann ist es einfach, etwas gut zu machen."

Zufrieden ist Fraser nicht erst, seit er beim derzeitigen Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielt. Auch bei seiner ersten Station in Deutschland, den Schwenninger Wild Wings, habe es ihm gut gefallen, sagt er. Heute (Beginn 19.30 Uhr, Eissporthalle) gibt es für den Kanadier ein erstes Wiedersehen mit den Kollegen von einst. "Ich bin vielleicht nicht mit allen Leuten im Vorstand klargekommen, aber die zwei Jahre in Schwenningen waren schon ein Erlebnis. Wir hatten ein gutes Team, auch wenn wir nicht in die Play-offs gekommen sind. In Schwenningen stand nun mal kein Andrej Mezin im Tor." Dass der Weißrusse den Berlinern den Weg an die Tabellenspitze geebnet habe, sei ein offenes Geheimnis, meint Fraser. "Andrej erlaubt es uns, die Spiele zu gewinnen." Doch auch Fraser hat seinen Teil zum Aufschwung beigetragen: Mit 14 Skorerpunkten ist er hinter Thomas Sjögren der erfolgreichste Stürmer. "Kein Wunder", sagt Fraser. "Ich habe mit Corriveau und Guillet zwei torgefährliche Leute in meiner Reihe. Meine Aufgabe ist doch nur, den beiden so oft wie möglich den Puck zuzuspielen."

Das Vorbereiten von Toren war immer die Stärke des Iain Fraser. Angefangen hatte die Laufbahn des inzwischen 31-Jährigen 1986 bei den Oshawa Generals in der Ontario Hockey League, einer kanadischen Nachwuchsliga. Dort spielte Fraser noch mit dem späteren Superstar Eric Lindros. Fraser selbst brachte es in seiner Karriere zwar nur auf 98 NHL-Partien, war dafür bei seinem letzten Team in Nordamerika an einem Ereignis von historischer Tragweite beteiligt. Das war am 3. Oktober 1997, als er in der unterklassigen International Hockey League für die Kansas City Blades spielte und ihm die Ehre zuteil wurde, den letzten Check des legendären Gordie Howe einzustecken. Es war die einzige Attacke des damals 69-jährigen Howe, der nur einmal im Trikot der Detroit Vipers über das Eis huschte, um seine Profikarriere auf sechs Jahrzehnte auszudehnen. Frasers Bild war in allen Zeitungen.

Heute lacht Fraser darüber: "Ich habe schon härtere Checks erlebt." Ein bisschen Show gehöre in Amerika halt dazu. Bei den Capitals ist weniger Rummel und umso mehr Fleiß angesagt. "Nur nicht nachlassen" - mit diesem Spruch beendete Trainer Michael Komma gestern das Training. "Nachlassen?" Nein, sagt Iain Fraser. Dafür gebe es trotz souveräner Tabellenführung keinen Anlass. "Wir sollten nicht anfangen, vom Titel zu sprechen. Aber wir sind auf einem guten Weg."

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