Sport : IBF-Skandale können Weltmeister Sven Ottke nicht erschüttern

Hartmut Scherzer

Sven Ottke macht sich "darüber keinen Kopf". Heute verteidigt der Box-Weltmeister im Supermittelgewicht in der Düsseldorfer Philipshalle gegen Glen Johnson (USA) seinen Titel, der seit drei Wochen die Initialen der Korruption trägt: IBF. Nicht nur vier führende Funktionäre, darunter IBF-Präsident Robert Lee senior, sind der Erpressung, des Betruges und der Bestechung angeklagt. Die gesamte International Boxing Federation (IBF) sei eine "korrupte Organisation", so die Anschuldigung der Staatsanwaltschaft in Newark, New Jersey, die per Gerichtsbeschluss jetzt eine staatliche Überwachung der IBF fordert.

Sven Ottke aber spürt kein Unbehagen. "Überhaupt nicht. Es geht um mich. Was ich gezeigt und geleistet habe, hat jeder gesehen. Und das war okay. Und fertig. Die anderen drei Verbände sind nicht besser. Man denke nur daran, was der WBC mit Graciano Rocchigiani macht. Schwarze Schafe gibt es überall." Die Vorwürfe des Staatsanwalts Robert F.Cleary, lauten unter anderen: "In der IBF wurde das Ranking gekauft und nicht verdient."

Ottke, der ungewöhnlich früh seine Titelchance erhielt, bekam mit, wie sein Manager "Herr Sauerland" in einem Interview beteuerte, niemals Geld dafür bezahlt zu haben, dass seine Boxer in IBF-Ranglisten besser platziert würden. Damit war für Ottke die Sache erledigt. "Ich glaube ihm glatt, dass alles korrekt war und ihm nichts vorzuwerfen ist."

Der 32-jährige Berliner wurde vor dreizehn Monaten durch einen knappen 2:1-Punktsieg über den amerikanischen Titelverteidiger Charles Brewer in seinem erst 13. Profikampf IBF-Weltmeister und hat den Titel seitdem dreimal erfolgreich verteidigt. Ottke hatte sich für einen WM-Kampf als sogenannter International Champion des World Boxing Council (WBC) qualifiziert. Alle Verbände, in Wahrheit auf Profit ausgerichtete Unternehmen, erkennen in seltenem Einvernehmen diese internationalen Titel als Anwartschaft für einen WM-Kampf auf freiwilliger Basis an. Sonst muss dafür ein Boxer einen Ranglistenplatz unter den ersten Zwölf einnehmen. Profit machen die Drei-Buchstaben-Firmen mit den sogenannten "sanction fees": Zwei Prozent von der Börse des Weltmeisters, 1,5 Prozent von der Gage des Herausforderers. Außerdem sind vom Veranstalter 3000 Dollar Gebühr zu entrichten.

Wilfried Sauerland, seit über zehn Jahren mit der 1983 gegründeten IBF kooperierend (Graciano Rocchigiani und Henry Maske wurden IBF-Weltmeister, Axel Schulz und Torsten May boxten um IBF-Titel), führte selbst mehrfach gegen die Organisation aus Newark Prozesse. So erkämpfte der deutsche Promoter vor Gericht die Disqualifikation und Titelaberkennung Francois Bothas, der nach dem Punktsieg über Axel Schulz des Dopings überführt worden war. Als Folge kam auch der WM-Kampf Schulz gegen Moorer erst auf Gerichtsbeschluss zustande.

Dass allein die IBF korrupt sein soll, bezweifelt Jean- Marcel Nartz, Sauerlands Impresario. "Es gibt keinen Verband, der koscher ist." Anders als die IBF seien die anderen, in Mexico City, Caracas und Puerto Rico ansässigen Unternehmen WBC, WBA und WBO, so Nartz, lediglich vor amerikanischen Strafverfolgungsbehörden sicher. "Die Boxer können nichts dafür. Es sind die Funktionäre, die das Boxen kaputt machen."

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