Sport : „Ich bin der Erste, der den Mut hat“ Kochs Aussage zeigt:

Der Wettskandal eskaliert

Benedikt Voigt

Berlin – Ausgerechnet am Rosenmontag musste Georg Koch ein Straftraining absolvieren. Karneval feiern könnten die Spieler des MSV Duisburg noch in 30 Jahren, hatte Trainer Norbert Meier bereits nach dem 1:4 verlorenen Zweitligaspiel in Saarbrücken gesagt und die Extraschicht angeordnet. Für Georg Koch bedeutete dies, dass er mit seinen Kindern einen Tag vorher in den Karneval ziehen musste. Seine Verkleidung passte irgendwie sehr gut zu seiner gegenwärtigen Situation. Georg Koch wollte als Pfarrer gehen. Zuvor hat er erst einmal selber gebeichtet.

Der 35-Jährige erzählte dem Deutschen Fußball-Bund, dass ihm vor dem letzten Zweitligaspiel der vergangenen Saison ein Unbekannter telefonisch 20000 Euro geboten hat, wenn er im Spiel gegen Jahn Regensburg ein oder zwei Gegentore zulasse. Koch, der damals für Energie Cottbus spielte, weigerte sich. Trotzdem hat der Skandal um manipulierte Fußballspiele eine weitere Eskalationsstufe erreicht.

Bislang drehte sich alles um einen geständigen Schiedsrichter mit Namen Robert Hoyzer und dessen noch nicht bewiesene Anschuldigungen. Und um zwei Siegprämien für die Vereine SC Paderborn und Dynamo Dresden, über deren Sinn debattiert werden kann. „Wenn mir jemand 100000 Euro bietet, damit ich gewinne, finde ich nichts Ehrenrühriges daran“, sagt Dieter Krein, Präsident von Energie Cottbus. Nun aber ist einem Spieler ein Angebot gemacht worden, absichtlich zu verlieren. Das lässt Schlimmeres vermuten. „Ich gehe davon aus, dass mehrere Spieler solche Angebote bekommen haben“, sagte Georg Koch der „Abendzeitung“, „ich bin der Erste, der an die Öffentlichkeit gegangen ist, ich hoffe, meine Kollegen haben jetzt den Mut, das auch zu tun.“ Der ehemalige Cottbuser Trainer Eduard Geyer sagt: „Grundsätzlich hätte ich nie gedacht, dass ein Spieler an irgendetwas beteiligt ist.“

Dieter Krein unterstützt das öffentliche Bekenntnis seines ehemaligen Torwarts. „Er hat richtig gehandelt, er hätte es uns zwar auch vorher sagen können, aber er hat das Angebot wohl in den Bereich der Fabel verwiesen.“ Den Cottbuser Präsidenten wundert, dass das betrügerische Ansinnen ausgerechnet vor dem Spiel gegen Regensburg an Georg Koch herangetragen wurde. Dieser hütete in jenem Spiel wegen einer Rückenverletzung gar nicht das Tor. Außerdem gewann Cottbus 3:0. Einen Regensburger Sieg hält Krein für unmöglich, selbst wenn die Bestechung gelungen wäre. „In diesem Spiel hätte auch ich im Tor stehen können, die Regensburger sind überhaupt nicht vors Tor gekommen.“

Der Zweitligist Energie Cottbus ist nun immer stärker in den Wettskandal verstrickt. Schiedsrichter Hoyzer hat bereits gegenüber der Berliner Staatsanwaltschaft den ehemaligen Cottbuser Spieler Laurentiu-Aurelian Reghecampf und Torwart Tomislav Piplica beschuldigt. Eduard Geyer will sich dazu nicht äußern. „Man muss erst die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten, jeden Tag wird doch etwas Neues konstruiert.“

Doch Georg Kochs Aussage ist real. Seltsam bleibt, warum er sich erst jetzt gemeldet hat. „Ich habe die Sache nicht ernst genommen“, sagte er der „Abendzeitung“, „man muss wissen, dass ich damals in Cottbus nicht das beste Verhältnis mit Leuten im Verein hatte, ich dachte, die wollen mir was anhängen.“ Letzteres erstaunt Krein. „Wir sind im Guten auseinander gegangen.“ Erst als jetzt der Name Steffen Karl im Zusammenhang mit dem Skandal fiel, meldete Koch den Vorfall vom Mai. Der Spieler des Chemnitzer FC zählt zu den 25 Beschuldigten der Staatsanwaltschaft, bestreitet aber jede Beteiligung. Was Koch nun stutzig machte: Der unbekannte Anrufer hatte sich Steffen Karl genannt.

Dieter Krein kommt Kochs spätes Bekenntnis sogar entgegen. „Ich bin ganz froh, dass er es damals nicht gesagt hat, da hätte ich sicher ein paar schlaflose Nächte gehabt.“

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