Sport : "Ich bin eben ein neugieriger Mensch"

Susanne Lahme zu ihren Auslands-Abenteuern und dem Kurz-Comeback im Nationalteam BREMEN.Wenn man im deutschen Frauen-Volleyball nach Stars sucht, kann man lange suchen oder nimmt sofort Susanne Lahme.Das haben in ihrer Not auch die Organisatoren des Bremer Turniers im vergangenen Jahr gemacht und druckten ein Farbfoto der großen Frau mit dem blonden Pagenschnitt auf ihre Werbeplakate.Dabei stand schon längst fest, daß Susanne Lahme (29) nicht kommen würde, weil sie aus der Nationalmannschaft zurückgetreten war.Nun ist die ehemalige Spielerin des CJD Berlin wieder da und will mit ihrer Erfahrung mithelfen, daß die Volleyballerinnen an diesem Wochenende die Qualifikation für die WM 1998 in Japan schaffen.TAGESSPIEGEL: Frau Lahme, Sie kommen gerade aus Italien.Wie war denn die Rückkehr nach Deutschland?LAHME: Warm.Meine Freunde hatten in meiner Treptower Wohnung die Heizung aufgedreht, einen Adventskranz hingestellt und eine Kerze angesteckt.So ähnlich habe ich mir das vorgestellt, nach dem Brief, den ich vom Bundestrainer bekommen habe.TAGESSPIEGEL: Wollen Sie verraten, was Siegfried Köhler geschrieben hat?LAHME: Er hat ein bißchen Werbung für einen Kurzurlaub in Deutschland gemacht.Ich könnte doch die Feiertage bei meiner Familie verbringen und nebenbei auch noch Volleyball spielen in seiner Mannschaft.Das ist tatsächlich eine ganz attraktive Kombination, und außerdem will ich dem Frauen-Volleyball helfen, wieder besser dazustehen.TAGESSPIEGEL: Also haben sie Heimweh und Idealismus zur Rückkehr in die Nationalmannschaft bewegt?LAHME: Von einer Rückkehr kann nicht die Rede sein.Bei wichtigen Spielen will ich wohl gelegentlich einspringen, wenn ich gefragt werde, aber eigentlich ist das Thema Nationalmannschaft für mich erledigt.TAGESSPIEGEL: Ist das nicht ein seltsames Gefühl, für die WM-Qualifikation zu kämpfen und gleichzeitig zu wissen, daß man sowieso nicht mitfahren würde nach Japan?LAHME: Ja, das ist schon komisch.Aber es ist auch entlastend.Ich verspüre nicht mehr den ganz großen Druck wie vor zwei Jahren, als ich auf Teufel komm raus nach Atlanta wollte.Trotzdem hänge ich mich hier voll rein, dazu bin ich Profi genug.Und die Mannschaft gefällt mir auch: Viele neue Gesichter, die meisten sind gerade am Beginn ihrer Karriere - diese Aufbruchstimmung mag ich.TAGESSPIEGEL: Sie selbst sind schon seit Jahren in Aufbruchstimmung ...LAHME: Sie meinen, weil ich erst in Italien, dann in Brasilien gespielt habe und jetzt wieder in Italien bin? Ich bin eben ein neugieriger Mensch, das Leben in anderen Ländern finde ich spannend.Meine Zeit in Brasilien zum Beispiel war großartig, ich habe die Herzlichkeit der Menschen dort geliebt.Vielleicht gehe ich auch nochmal zurück.TAGESSPIEGEL: Wovon hängt das ab?LAHME: Auf jeden Fall auch von meiner Telefonrechnung.Ich mußte von Brasilien aus fast täglich Familienangelegenheiten in Berlin regeln.2000 Mark im Monat nur fürs Telefonieren, das ist auf die Dauer doch ein bißchen zu viel des Guten.

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