Sport : „Ich bin erleichtert, dass bald alles vorbei ist“

Skirennläuferin Martina Ertl-Renz über ihr Karriereende, ihre Erinnerungen an Olympia und die Stars der alpinen Szene

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Frau Ertl-Renz, dies sind Ihre letzten Olympischen Winterspiele. Haben Sie schon Angst vor dem Karriereende?

Angst nicht. Aber eine Mischung aus Trauer und Erleichterung darüber, dass bald alles vorbei ist, gibt es schon. Denn einerseits freue ich mich auf die Zeit danach, wenn alles gemütlicher wird. Andererseits geht eine sehr schöne Zeit zu Ende, trotz vieler Tiefschläge und Verletzungen. Aber Niederlagen gehören zum Leben, sie prägen einen.

Die Spiele mit den stärksten Gefühlen waren für Sie sicher jene 1998 in Nagano.

Und ob sie das waren. Da bin ich in 24 Stunden sowohl Vierte im Slalom als auch im Riesenslalom geworden und in der Kombination um 17 Hundertstelsekunden an der Goldmedaille vorbei gefahren. Doch da war halt auch dieser einmalige Tag, als drei deutsche Damen bei jener Kombinations-Siegerehrung auf dem Treppchen standen: Katja Seizinger, Hilde Gerg und ich.

Bei den letzten Spielen vor vier Jahren in Salt Lake City waren Sie dann schon keine Favoritin mehr.

Das war eine völlig andere Situation für mich. Ich bin zu einem Großereignis mal als Außenseiterin angereist, denn ich war völlig außer Form und ging ohne Ambitionen an den Start. Und dann holte ich Bronze in der Kombination – die einzige deutsche Alpin-Medaille.

In Turin ist die Situation fast identisch. Außerdem haben Sie an Sestriere, wo Sie am Freitag in der Kombination starten werden, wohl kaum die besten Erinnerungen.

Na ja, ich bin da drei Mal hintereinander Vierte bei Weltcup-Rennen geworden und war noch nie unter den besten Drei. Und bei der Weltmeisterschaft 1997 bin ich verletzt angereist. Aber für das alles kann der Ort nichts.

Wie sah denn Ihr erster Kontakt mit den Olympischen Spielen aus?

Den ersten bewussten Kontakt hatte ich 1988. Da war ich 14 und sah im Fernsehen, wie Marina Kiehl aus München Abfahrts-Gold gewann.

Und Kiehl wurde daraufhin ihr Vorbild?

Nein, das war eher Michaela Gerg. Die kam wie ich vom SC Lenggries. Ich habe meine Eltern immer gefragt: „Wie ist Michi gefahren in meinem Alter?“ Und meine Mama hat immer gesagt: „Die war schon besser!“ Es sollte mich anspornen.

Wer ist der größte olympische Alpin-Fahrer aller Zeiten?

Für mich ist es Hermann Maier. Ich habe seinen schweren Sturz in Nagano beim Abfahrtslauf gesehen. Ich dachte, der kann die beiden nächsten Wochen nicht mehr fahren und hat außerdem einen Schock fürs Leben. Aber dann holt der bei diesen Spielen noch Gold im Riesenslalom und im Super-G. Eine Sensation.

Und die größte olympische Alpin-Fahrerin?

Janica Kostelic in Salt Lake City, das war der Wahnsinn. Die war, glaube ich, bei jeder Siegerehrung dabei.

Sie sind vor diesem Winter zur „Repräsentantin des Bayerischen Sports“ ernannt worden. Wie wichtig ist Heimat für Sie?

Unglaublich wichtig. Ich bin ja viel in der Welt rumgekommen – aber finde es nirgendwo schöner als zu Hause.

Sechs Olympiamedaillen haben Sie bisher, wie groß sehen Sie Ihre Chancen, eine siebte zu gewinnen?

Dazu müsste ich im Wettkampf meine Lockerheit wieder finden. Im Training läuft es so gut, dass die Trainer nichts auszusetzen haben. Aber ein Rennen ist halt was ganz, ganz anderes.

Das Gespräch führte Jupp Suttner.

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