Sport : „Ich habe Klinsmann bewundert“

Nationalspieler Bobic über seinen Ex-Kollegen

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Herr Bobic, so wie es aussieht, wird ein Schwabe neuer Trainer der Nationalmannschaft. Begrüßen Sie als Schwabe diese Entscheidung?

Nicht nur als Schwabe. Sondern auch, weil ich den Jürgen Klinsmann schon sehr lange kenne.

Trotzdem wird die Lösung der leidigen Bundestrainerfrage auch für Sie überraschend gekommen sein?

Das stimmt. Auf diese Kombination muss man erst mal kommen. Aber die Lösung erscheint mir sehr vernünftig. Da ist sehr viel Erfahrung bei. Und sie hat Charme.

Mit Jürgen Klinsmann haben Sie selbst noch auf dem Platz gestanden.

In meinem ersten Länderspiel habe ich an seiner Seite gespielt. Das war ein Traum für mich.

War das gerade die Bewerbung um einen Stammplatz?

Nein, Sie können überall nachlesen, dass ich das damals schon gesagt habe. Den Jürgen habe ich früher schon beim VfB Stuttgart spielen sehen. Da stand ich im Neckarstadion und habe sein Fallrückzieher-Tor gegen die Bayern bewundert. Auch später habe ich noch unheimlich viel von ihm gelernt.

Zum Beispiel?

Seinen bedingungslosen Einsatz. Sein Herz. Dass er nie aufgegeben hat, sich gegen alle Strömungen durchgesetzt hat und sich nie hat unterkriegen lassen.

Diese Eigenschaften kann er als Bundestrainer gut brauchen.

Das stimmt. Ein dickes Fell kann nicht schaden.

Jürgen Klinsmann hat die Zustände beim DFB scharf kritisiert und einige strukturelle Veränderungen gefordert.

Bewegung ist immer gut, auch im DFB. Aber einfach wird das nicht.

Sie glauben also, dass sich Jürgen Klinsmann nicht mit ein paar vagen Versprechungen zufrieden gegeben hat, sondern vertragliche Zusagen vom DFB gefordert hat?

Das kann ich nicht beurteilen. Aber der Jürgen hat immer eine klare Vorstellung von dem gehabt, was er will. Da ist er konsequent gewesen. Man muss sich nur seine Karriere anschauen.

Bei der EM 1996 haben Sie Jürgen Klinsmann als Kapitän der Nationalmannschaft erlebt. Wie war er da?

Ihm ist oft vorgeworfen worden, dass er sein eigenes Ding gemacht habe. Aber er hat der Mannschaft damals diesen Spirit vorgelebt, der uns so erfolgreich gemacht hat. Gemeinsam mit Matthias Sammer hat er den Laden richtig zusammengehalten. Natürlich hatten wir einige starke Individualisten dabei, aber jeder hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Uns ging es nicht darum, ob wir schön spielen oder hässlich. Wir sind auf den Platz gegangen und wollten gewinnen. Ein bisschen haben die Griechen das jetzt abgekupfert.

Ist Jürgen Klinsmann für Sie ein Anreiz, weiter in der Nationalmannschaft zu spielen?

Mit Anreiz hat das nichts zu tun. Die Nationalmannschaft beschäftigt mich im Moment nicht. In zwei Wochen geht die Bundesligasaison los, darauf konzentriere ich mich. Der Rest wird sich zeigen.

Mit Jürgen Klinsmann haben Sie zusammengespielt, auch mit Oliver Bierhoff, der Teammanager werden soll. Was wissen Sie eigentlich über Holger Osieck, den dritten Mann?

Seine Zeit bei der Nationalmannschaft liegt zwar schon länger zurück, aber wir haben vor einem Jahr mal gegen Kanada gespielt. Da war er Trainer. Osieck hat einen guten Namen. Er ist welterfahren, und er kennt sich im Fußball aus. Wer die rechte Hand von Franz Beckenbauer war, kann kein Schlechter sein.

Die Fragen stellte Stefan Hermanns.

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