• „Ich habe mich nicht mehr raus getraut“ Erfurts Dopingsünder Tiganj über seine Strafe

Sport : „Ich habe mich nicht mehr raus getraut“ Erfurts Dopingsünder Tiganj über seine Strafe

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Senad Tiganj, Fußballer des Zweitligisten RotWeiß Erfurt, wurde vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes wegen Dopings für zehn Wochen gesperrt. Nach dem Spiel vom 6. April gegen Unterhaching war der 29 Jahre alte Slowene positiv auf den verbotenen Wirkstoff Fenoterol getestet worden, weil er seinem Sohn am Abend zuvor den Gebrauch eines Asthma-Mittels gezeigt hatte. Das gewonnene Spiel gegen Unterhaching wurde 0:2 gegen Erfurt gewertet, der Verein steht nach der gestrigen 0:2-Niederlage in Karlsruhe als Absteiger fest.

Herr Tiganj, wie geht es Ihnen?

Sehr schlecht. Ich stehe immer noch unter Schock. Meine Familie und ich leiden schon seit einem Monat.

Der Drei-Punkte-Abzug hat Erfurt den Klassenerhalt gekostet. Finden Sie diese Strafe gerechtfertigt?

Überhaupt nicht. Der Verein hat gar keinen Fehler gemacht und wird trotzdem bestraft. Nicht einmal ich habe wirklich einen Fehler gemacht. Trotzdem fände ich es besser, wenn ich länger gesperrt worden wäre, der Klub dafür aber keine Punkte abgezogen bekommen hätte. Ich glaube, dass der DFB so entschieden hat, weil Erfurt ein so kleiner Verein ist. Er will ein Jahr vor der Weltmeisterschaft Macht demonstrieren. Mit Erfurt kann man das ja machen, denken die wohl. Als Marko Rehmer positiv auf ein verbotenes Mittel getestet wurde, wurden Hertha BSC auch keine Punkte abgezogen.

Wie verhalten sich die Verantwortlichen im Verein Ihnen gegenüber?

Sehr fair. Ich würde es verstehen, wenn sie zu mir kommen und sagen, dass der Vertrag aufgelöst wird. Das ist aber noch nicht passiert, mein Gehalt habe ich bislang auch weiter bekommen. Auch die Mannschaft hält zu mir.

Und die Fans?

Von denen habe ich noch nichts gehört. Ich wohne in einem Hotel in Erfurt und frühstücke in einem großen Saal unten im Hotel. Den ersten Tag nach der Urteilsverkündung habe ich mich nicht nach unten getraut, weil ich unangenehme Fragen und Vorwürfe befürchtete. Am nächsten Tag bin ich gegangen, und die Leute haben mich in Ruhe gelassen. Trotzdem kann ich ihre Blicke spüren, die sagen: „Du hast uns drei Punkte weggenommen. Du warst es.“ Das ist sehr unangenehm.

Erfurt hat angekündigt vor das DFB-Bundesgericht zu ziehen. Das Urteil wäre erst nach dem zweitinstanzlichen Urteil rechtskräftig. Glauben Sie an eine Wende?

Ich hoffe. Doch hier in Deutschland ist man mit Doping sehr streng.

Wie wird Ihre Karriere weitergehen?

Ich habe keine Ahnung. Mein Vertrag in Erfurt gilt nicht für die Regionalliga, er hätte sich nur im Falle des Klassenerhalts verlängert. Diese Geschichte wird sich wie eine schwarze Zeile in meinen Lebenslauf fressen und es schwerer machen, Vereine zu finden.

Das Gespräch führte Ingo Schmidt- Tychsen.

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