Sport : „Ich habe mir eine neue Nationalmannschaft gesucht“

Ein Bild und seine Geschichte: Warum der Union-Fan Bernd Breitkopf die Engländer unterstützt und deshalb unter slowakische Polizisten geriet

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Herr Breitkopf, ein Freund von Ihnen sagte uns, dass Sie der Mann auf unserem Foto vom Spiel der Engländer in Bratislava sind. Warum standen Sie denn im englischen Fanblock?

Die deutsche Nationalelf unterstütze ich nicht. Ich bin UnionFan. Der Deutsche Fußball-Bund hat uns so oft einen reingewürgt.

Sie meinen die zweimalige Verweigerung der Lizenz für die Zweite Liga.

Genau. Daraufhin habe ich mir eine neue Nationalmannschaft gesucht: England.

Sie waren bestimmt auch kein Fan der DDR-Nationalmannschaft, oder?

Das durfte man als Unioner doch nicht sein! Ich bin den Klubs aus dem Westen hinterhergereist, wenn sie in Polen und Tschechien spielten. Eintracht Frankfurt habe ich im Ostblock gesehen, Arsenal London ...

.... da kam der Kontakt zu den Engländern?

Das kam erst später. Ich habe jetzt gute Kumpels in London. Einer hat mir die Karte für das Spiel in Bratislava besorgt.

Und wie kam es zu der Szene auf dem Bild?

Es hat Ärger gegeben.

Die englischen Fans sollen randaliert haben.

Das ist Blödsinn. Es gab keine Krawalle.

Die Engländer sollen aber provoziert haben.

Die Slowaken haben Emile Heskey beschimpft. Der Mann ist schwarz. Das ganze Stadion schrie: Uhuhuh. Der Hass war unglaublich. Da haben sich die Engländer beschwert.

Und dann?

Plötzlich sind die Polizisten ausgetickt. Die haben ihre schwarzen Masken übergezogen und dann ging’s los.

Was ging los?

Die haben mit ihren Holzstöcken auf uns eingedroschen. Einfach in den Block hinein. Wie mit Samurai-Schwertern. Da standen kleine Jungs neben mir, die haben geheult.

Ist Ihnen etwas passiert?

Mir haben sie mit dem Knüppel voll in den Rücken geschlagen. Ich habe mich klein gemacht, hingekauert, gewartet.

Warum sind Sie nicht geflüchtet?

Ich habe den körperlichen Nachteil, dass ich nicht sehr schnell bin.

Aber Sie hätten sich doch später zumindest woanders hinstellen können.

Warum denn? Das hat doch kein Polizist befohlen. Die waren fertig mit uns.

Und wo waren die anderen Fans?

Als sich die Polizisten austobten, sind alle rausgerannt. Es war keiner mehr da. Nur die Polizisten – und ich.

Da ist dann das Foto entstanden.

Genau. Kurz vor der Halbzeit war das. Ich hatte plötzlich ’ne prima Sicht.

Dann gab es keinen Ärger mehr?

Wir wurden nach dem Spiel eine Stunde im Stadion festgehalten. Schön kalt war’s.

Und warum tun Sie sich das alles an?

Das ist normal. Das ist Fußball. Als wir früher in Dresden oder Leipzig waren, haben die Polizisten auch auf uns eingedroschen.

Das Gespräch führte André Görke.

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