Sport : „Ich habe nie gedopt“

Lance Armstrongs Auftritt bei Larry King auf CNN

Friedhard Teuffel

Berlin - In schwarzer Lederjacke nahm Lance Armstrong die Verteidigung in eigener Sache auf. Eine Stunde lang war der 33 Jahre alte pensionierte Radprofi Gast bei „Larry King Live“ des amerikanischen Fernsehsenders CNN, und er nutzte diese Zeit zu einer Rundfahrt durch die Welt der Dopingkontrollen und der transatlantischen Beziehungen. Seine wichtigste Aussage war auch die am wenigsten überraschende: „Ich habe nie gedopt.“

Das musste Armstrong noch einmal sagen, nachdem ihn jetzt die französische Sportzeitung „L’Equipe“ mit sechs positiven Dopingproben aus dem Jahr 1999 konfrontiert hat, in dem er zum ersten Mal die Tour de France gewonnen hatte. Die sechs A-Proben waren 1999 zwar negativ, bei einer Nachuntersuchung im vergangenen Jahr wies das Labor in Chatenay-Malabry jedoch in sechs B-Proben Spuren des Blutdopingmittels Erythropoietin (Epo) nach. Epo war 1999 noch nicht im Urin nachweisbar, inzwischen gibt es jedoch immer feinere Verfahren. Für glaubwürdig hält Armstrong die Ergebnisse dennoch nicht: „Ein Typ, irgendein Jean-François, öffnet eine Probe in einem Pariser Labor. Niemand ist da, um dies zu bezeugen, und es gibt auch kein Protokoll.“ Er hätte gerne die Gelegenheit, eine Gegenprobe analysieren zu lassen. Außerdem fragte Armstrong: „Ich habe 1999 insgesamt siebzehn Proben abgegeben und sechs davon waren positiv. Was war mit den anderen elf?“

Als Motiv hinter den Beschuldigungen vermutet Armstrong die Abneigung vieler Franzosen gegen ihn. „Der Radsport in Frankreich erlebt eine seiner größten Flauten. Vor 20 Jahren haben sie zum letzten Mal die Tour de France gewonnen.“ Als er sein Karriereende bekannt gab, habe „L’Equipe“ geschrieben, dass selten der Rücktritt eines Athleten so willkommen gewesen sei. Und ein französischer Teamkollege habe ihm einmal gesagt: „Mach dir nichts draus. Sie mögen die Gewinner eben nicht.“

Ob er gegen die Vorwürfe klagen werde, hielt Armstrong offen. „Wenn man klagt, hält es eine schlechte Geschichte für immer am Leben und gibt denen Gelegenheit zu sagen: Oh, wir haben dies gefunden und das gemacht. Es wertet die Leute mehr auf, als sie verdienen.“

Armstrong sieht sich als Objekt intensivster Dopingverfolgung: „Einen Tag vor dem Start der letzten Tour hat es an der Tür geklopft. Der Sportminister hatte Leute geschickt, um zwei Blut- und Urinproben zu nehmen. Wir haben herausgefunden, dass ich der einzige Fahrer war, der an diesem Tag getestet wurde.“ Allein in diesem Jahr sei er sechsmal unangemeldet im Training kontrolliert worden.

Armstrong hat allerdings in diesem nachträglichen Wettbewerb einen starken Gegner. Der Leiter des Labors in Chatenay-Malabry bei Paris, Jacques de Ceaurriz, ließ in einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ keinen Zweifel an den Ergebnissen. Sein Labor, habe sie anonym behandelt, und „L’Equipe“ die Ergebnisse anschließend seriös entschlüsselt. „Ich denke, man kann ihnen absolut vertrauen.“

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