Sport : „Ich habe zweimal geträumt“

Jens Lehmann über sein Glück gegen San Marino

Michael Rosentritt

Herr Lehmann, dieses Länderspiel gegen San Marino werden Sie so schnell nicht vergessen, oder?

So?

Weil Sie das Spiel bis zum Ende durchspielen konnten. Sie hätten ja auch die Rote Karte sehen können.

Wirklich? Ich bin mir nicht sicher. Ich weiß nur, dass ich zwei Mal geträumt habe.

Zweimal?

Ja, einmal, als ich nach dem Rauslaufen falsch gepasst habe und der Ball beim Gegner landete. Und das zweite Mal, als ich dann, bei der Rettungstat, nicht genau hingeschaut habe, wo ich stehe.

Wo standen Sie denn, als Sie den Schuss von Marani mit Ihren Fingerspitzen noch ablenkten: innerhalb oder außerhalb des Strafraums?

Ich bin mir immer noch nicht sicher. Ich habe noch keine Fernsehbilder gesehen. Haben Sie es denn genau gesehen?

Ja, die Fernsehbilder belegen deutlich, dass Sie außerhalb des Strafraums standen. Mit etwas weniger Glück hätten Sie die Rote Karte sehen können. Für das Spiel gegen die Slowakei am Mittwoch wären Sie jetzt gesperrt.

Aber sehen Sie, es ist immer schwierig, wenn man erst die Fernsehbilder braucht. Ich mache mir darüber keine Gedanken mehr.

Sie müssen aber ein schlechtes Gewissen gehabt haben, oder warum unterhielten Sie sich auf dem Weg in die Halbzeit so angeregt mit dem Schiedsrichter?

Sie werden lachen, der kam auf mich zu. Er hat mich gefragt, ob ich drin oder draußen war. Ich habe gesagt, dass ich es nicht genau weiß. Er war überrascht. Sein Linienrichter hatte es aber auch nicht genau gesehen, der stand ja auf der andere Seite.

Bis auf die besagte Szene waren Sie beschäftigungslos. Ist das gut oder schlecht für einen Torwart?

Generell ist es gegen solche Gegner nicht leicht. Schon in der Vorbereitung ist es anders. Du hast im Hinterkopf, dass es wohl nicht so schwer wird. Du wirst vielleicht etwas nachlässig. Und dann im Spiel kriegst du nicht so viel zu tun, musst aber immer die Spannung halten.

Kann man gegen einen Gegner wie San Marino überhaupt Selbstvertrauen tanken?

Ja, schon, ein bisschen. In der zweiten Halbzeit waren in unserem Spiel ja einige gute Aktionen dabei. In der ersten Halbzeit lief es nicht so gut, die Sanmarinesen haben es uns nicht leicht gemacht. Vielleicht war die erste Halbzeit ein Weckruf für uns: Wir müssen alle ein bisschen konzentrierter sein.

Bedrückt Sie die Formkrise von Miroslav Klose?

Gar nicht. Der Miroslav ist ein wertvoller Spieler, der auch wieder treffen wird. Das ist ja mehr ein Thema der Medien, die die Minuten zählen, die er nicht getroffen hat. Was soll das?

Es ist offensichtlich, dass er blockiert ist. Was würden Sie ihm raten: Sollte er jetzt schon zum FC Bayern wechseln?

Ich rate ihm gar nichts. Er ist erfahren genug, um das zu wissen. Das ganze Thema ist mir völlig wurscht.

Aufgezeichnet von Michael Rosentritt.

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