Sport : „Ich haue nicht auf den Putz“

Heinz-Harald Frentzen über seine Rolle im Grand-Prix-Zirkus

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Der Grand Prix in Spielberg wurde schon mal als Wald und-Wiesen-Rennen bezeichnet …

Warum nicht, wenn damit nicht die Qualität des Rennens gemeint ist, sondern die Umgebung. Wo gibt es sonst Kühe am Rande eines Formel-1-Kurses?

Sie haben sich für die eine Woche extra ein Haus auf einer Alm gemietet. Sind Sie eigentlich ein Naturmensch?

Ja, absolut. Deswegen finde ich es auch schade, dass es das Rennen in der Steiermark nicht mehr gibt. Aber das mit dem Haus hat noch einen anderen Grund…

Sie meinen Ihren Geburtstag am Sonntag, zu dem Ihre Familie angereist ist. Da wäre doch ein Sieg nicht schlecht, oder?

Ich bin sehr bescheiden. Ein paar Punkte würden mir schon reichen.

Da haben sich aber im Laufe der Jahre Ihre Ziele sehr geändert …

Ganz klar, ich messe meine Ansprüche immer daran, in welchem Team ich fahre.

Nunmehr sind Sie wieder in dem Team von Peter Sauber, in dem Sie 1994 Ihren ersten Grand Prix fuhren. Heißt das, nachdem sich der Kreis über Williams, Jordan, Prost und Arrows geschlossen hat, Ihre Karriere neigt sich dem Ende zu?

Nicht doch. Ich habe vor, noch mehr als zehn Jahre Formel 1 zu fahren.

Haben Sie immer alles verstanden, was in der Formel 1 passiert ist?

Ja und nein, darüber mache ich mir im Nachhinein keine Gedanken mehr.

Man hat Ihnen ja manchmal übel mitgespielt?

Ich bin nicht der Typ, der öffentlich groß auf den Putz haut. Ich bin eher ein bescheidener Vertreter. Was nicht heißen soll, dass ich nicht meine Meinung sage.

Sie halten sich auch mit Bewertungen anderer Teams zurück. Dennoch die Frage: Wenn der BMW-Williams derzeit wegen seiner fehlenden Leistung als Schildkröte bezeichnet wird, ist dann Ihr Sauber vielleicht eine Schnecke?

Wir haben nie ganz oben gestanden. Deshalb kommt bei uns niemand auf einen solch hämischen Vergleich. Wir sind ein Privatteam und müssen die Motoren selbst bezahlen. Deshalb ist das, was Sauber erreicht hat, nämlich dass wir im Mittelfeld stehen, ein Erfolg .

Es wird aber schon vermutet, dass Sauber in dieser Saison abfallen wird.

Bei einem kleineren Etat, wie wir ihn haben, sind eben auch nur kleine Schritte möglich.

Apropos Etat. Sie sollen ein Gehalt von zwei Millionen Euro bekommen, im Vergleich dazu erhält Michael Schumacher bei Ferrari mindestens 20 Millionen pro Jahr. Ist Michael Schumacher möglicherweise zehnmal besser als Sie?

Das ist doch keine Frage, wer besser ist. Andererseits lobe ich mich prinzipiell nicht selbst. Fest steht, dass Michael ein großer Fahrer ist ….

…der 183 Grand Prix bestritten hat und dabei 66.Siege erreicht hat. Sie werden am 29. Juni auf dem Nürburgring fahren, es ist Ihr 150. Rennen . . .

Ist das so? Ich bin kein Statistikfan, weiß auch nicht, wie viele Punkte ich bisher eingefahren habe.

Das Gespräch führte Hartmut Moheit.

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