Sport : „Ich kann das nicht“

Beckenbauer gibt Blatter in der Frage der Fifa-Präsidentschaft Recht

Robert Ide

Berlin - Am Donnerstag konnte die Welt etwas über die Sprachkenntnisse von Franz Beckenbauer lernen. „Ich kann nur Englisch und Bayerisch oder umgekehrt, that’s it“, sagte der Präsident des WM-Organisationskomitees. „Und mein Englisch ist verbesserungswürdig.“ Die internationale Presse interessierte sich in Berlin dafür, weil Fifa-Präsident Joseph Blatter in einem Tagesspiegel-Interview Beckenbauer die Fähigkeit abgesprochen hatte, Fifa-Präsident zu werden. „Er will nicht, und er kann es auch nicht“, hatte Blatter über Beckenbauer gesagt. Zur allgemeinen Überraschung teilte der deutsche WM- Chef die Einschätzung über sich. „Vielsprachigkeit ist wichtig, wenn man einen solchen Verband leiten will“, sagte Beckenbauer. „Ich kann das nicht. Darum hat Sepp Blatter im Prinzip Recht.“

Das Interview löste am Donnerstag Irritationen innerhalb der Fifa aus. Kommunikationsdirektor Markus Siegler versuchte auf einem Media-Briefing am Vormittag, die Aussagen seines Präsidenten zu relativieren. „Der Präsident hat gemeint, dass Franz Beckenbauer wegen seiner vielen Werbetermine die Zeit für diese Aufgabe fehlt“, sagte Siegler. Die Behauptung, Blatters Aussagen seien verkürzt worden, nahm Siegler am Nachmittag zurück. Schließlich war das Gespräch wie üblich vor der Veröffentlichung von der Fifa autorisiert worden.

Beckenbauer machte alle Interpretationen überflüssig, indem er kein Interesse an der Fifa-Präsidentschaft zeigte. „Den Job kann nur ein Sprachgenie wie Sepp Blatter machen“, sagte Beckenbauer. Blatter spricht Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch und Italienisch. Der 70-Jährige hat angekündigt, im kommenden Jahr erneut als Fifa-Chef anzutreten. Seine dritte Amtszeit würde 2011 enden. „Ich werde einen Nachfolger aufbauen, aber jetzt noch nicht“, sagte Blatter.

Die Zukunft des 60 Jahre alten Beckenbauer bleibt dagegen offen. Seiner Frau hat er versprochen, sich nach der WM mehr um die beiden Kinder zu kümmern, heißt es aus seiner Umgebung. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass Beckenbauer die Leitung des Europäischen Fußballverbandes Uefa übernimmt. „Ich habe immer betont, dass ich interessiert bin, wenn Lennart Johansson zurücktritt“, sagte Beckenbauer. Derzeit rechne er aber nicht damit. „Die Signale, die wir haben, sind so, dass er weitermacht.“ Fehlende Fremdsprachenkenntnisse wären immerhin keine Hürde für Beckenbauer: „In Europa kommt man ja überall mit Englisch aus.“ Johansson hat sich jedoch noch nicht entschieden. Aus Uefa-Kreisen heißt es, er mache sein Verbleiben auch von Beckenbauers Ambitionen abhängig. „Wir werden sehen, ob der Franz will oder nicht“, sagte Johansson vor der WM beim Fifa-Kongress in München. Johansson will verhindern, dass ihn der Franzose Michel Platini beerbt. Der war mit seiner Kandidatur vorgeprescht und hat es aus Johanssons Sicht an Respekt fehlen lassen. Auch deshalb wurde Beckenbauer ins Spiel gebracht. Wenn der zurücksteckt, müsste der 76 Jahre alte Johansson selbst antreten.

Gut möglich also, dass die alten Männer an der Spitze der großen Verbände weitermachen. Was aber würde Beckenbauer tun? In seiner Umgebung freundet man sich mittlerweile mit dem Gedanken an, dass Beckenbauer in die Fifa-Exekutive wechselt. „Mir wäre das lieb“, sagte auch Blatter. In der Regierung des Weltverbandes hätte Beckenbauer nur einige Sitzungen im Jahr zu bestreiten. Er hätte mehr private Zeit, könnte Werbeterminen nachkommen und trotzdem Einfluss auf den internationalen Fußball nehmen. So könnte Beckenbauer die Generaldebatte über die Grenzen des Kommerzes vorantreiben, die er vor der WM angeregt hatte.

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