Sport : „Ich kann ihn verstehen“ „Deutschland war nie ein Thema“

Reaktionen auf Otto Rehhagels Absage Kotrainer Topalidis über Rehhagels Verzicht

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Franz Beckenbauer (DFBVizepräsident und Chef des Organisationskomitees für die WM 2006): „Rehhagel hat in den letzten drei Jahren aus dem Nichts eine Mannschaft aufgebaut und will diese nicht im Stich lassen. Ich war dennoch von seiner Absage überrascht, weil ich von Anfang an seine Bereitschaft gespürt hatte. Wir versuchen es ja, aber potenzielle Bundestrainer stehen nicht gerade Schlange. Die Guten stehen alle unter Vertrag. Ich bin überzeugt, dass wir den richtigen Mann finden. Einen Schnellschuss brauchen wir nicht.“

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Rudi Assauer (Manager von Schalke 04): „Es ist eine vernünftige Entscheidung von Otto. Er hätte nur verlieren können.“

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Klaus Toppmöller (Trainer des Hamburger SV): „Ich kann Otto Rehhagel gut verstehen. Griechenland hat eine gute Mannschaft für die WM 2006.“

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Klaus Allofs (Sportdirektor bei Werder Bremen): „Schade, er wäre der Richtige gewesen. Als Kandidaten sehe ich jetzt keinen, der nicht unter Vertrag steht.“

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Otto Schily (Bundesinnenminster): „Wir sollten von der rückwärts gewandten Vorstellung abkommen, dass als Nationaltrainer nur ein Deutscher in Frage kommt. Verstehen Sie mich nicht falsch. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist sicherlich kein Hindernis. Aber wenn ein Deutscher mit den Griechen siegen kann, dann kann das auch ein Engländer, Franzose oder Holländer mit den Deutschen.“

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Gerd Niebaum (Präsident von Borussia Dortmund): „Jetzt halte ich es für sinnvoll, sich im Ausland umzuschauen. Ein ausländischer Trainer kann neue Impulse setzen, auch wenn er der deutschen Sprache noch nicht mächtig ist.“

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Gerhard Mayer-Vorfelder (DFB-Präsident): „Grundsätzlich wird man nie einen Trainer finden, der nicht irgendwo einen Makel hat.“

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Morten Olsen (Dänischer Nationaltrainer): „Ich habe nicht abgesagt. Für jeden Trainer wäre es eine reizvolle Aufgabe, schließlich findet die WM 2006 in Deutschland statt.“

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Lothar Matthäus (Ungarischer Nationaltrainer und deutscher Rekordnationalspieler): „Ich kann nur noch mal wiederholen, dass es eine reizvolle Aufgabe wäre.“ Tsp/dpa

Herr Topalidis, der Samstag war ein guter Tag für Sie, oder?

Wie meinen Sie das?

Dass Otto Rehhagel dem Deutschen Fußball-Bund abgesagt hat und seinen Vertrag als griechischer Nationaltrainer erfüllen wird.

Das ist seine persönliche Entscheidung gewesen. Mit mir hat er nicht darüber gesprochen.

Wie haben Sie denn von seinem Entschluss erfahren?

Zuerst aus den Medien. Und dann hat Otto mich angerufen.

Sind Sie froh, dass Rehhagel Nationaltrainer in Griechenland bleibt?

Was heißt froh? Otto Rehhagel ist ein besonderer Mensch. Ich arbeite gern mit ihm zusammen.

Rehhagel hat es immer als seinen Lebenstraum bezeichnet, die deutsche Nationalmannschaft zu trainieren. Hatten Sie keine Angst, dass er sich diesen Traum jetzt erfüllen könnte?

Mit Angst hat das nichts zu tun. Angst darf man im Fußball nicht haben. Und dass die deutsche Nationalmannschaft Ottos Lebenstraum ist, davon weiß ich nichts. Wir haben nie über Deutschland gesprochen.

Wenn Otto Rehhagel in Deutschland Bundestrainer geworden wäre, hätten Sie in Griechenland sein Nachfolger werden können.

Daran habe ich nie einen Gedanken verschwendet. Das ist wirklich kein Thema gewesen.

Wie ist Rehhagels Entscheidung denn in Griechenland aufgenommen worden?

Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich gerade in Deutschland bin. Aber die Griechen sind mit Sicherheit sehr froh, weil Otto Rehhagel eine absolut große Persönlichkeit ist.

Die Fragen stellte Stefan Hermanns.

Joannis Topalidis , 41, ist Kotrainer der griechischen Nationalelf und Dolmetscher von Otto Rehhagel. Topalidis hat lange in Stuttgart gelebt und in Köln seine Trainerlizenz gemacht.

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