Sport : „Ich kann noch besser spielen“

Michael Ballack über seine ersten Monate beim FC Chelsea und das Wiedersehen mit Jens Lehmann im Derby gegen den FC Arsenal

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Herr Ballack, Ihr Trainer José Mourinho hat sie als „unantastbar“ bezeichnet. Haben Sie bei Chelsea bisher gut genug gespielt, um diesen Status zu rechtfertigen?

Ja, absolut. Er ist ein großartiger Trainer, und wenn er das sagt, muss man ihm schon glauben. Nein, ich denke, ich kann noch besser spielen. Ich bin erst vier Monate hier. Man darf sich das auch nicht so einfach vorstellen. Es ist schwieriger, sich in so einem Team zu integrieren, wo es viele starke Persönlichkeiten gibt. Wir haben 13, 14 Weltklassespieler. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich denke schon, dass der Trainer viel Ahnung vom Fußball hat, deswegen stimme ich ihm da zu.

In München und der Nationalelf haben Sie die Spiele oft dominiert. In London ist das noch nicht so gelungen. Warum nicht?

Dominanz bedeutet nicht, immer die spektakulären Aktionen zu zeigen oder Tore zu schießen. Es gibt viele Spieler, die dominant auf dem Platz sind, weil sie sehr wichtig für das Team sind. Ich habe gemerkt, dass wir viele starke Charaktere in der Mannschaft haben, die natürlich alle versuchen, aufzufallen. Das ist auch ein Ziel jedes Spielers. Aber das ist ein schmaler Grat. Wenn man es übertreibt, wird man egoistisch, das ist nicht gut für das Team. Man braucht die Balance. Deswegen sind Spieler wie Claude Makelele so wichtig. Einer, der enorm stark ist, ohne im Rampenlicht zu stehen. Als ich 2002 zum FC Bayern kam, war es übrigens am Anfang ähnlich.

Chelseas Mittelfeld spielt sehr funktional, Arsenal gilt in England als attraktiver. Stört Sie diese Einschätzung?

Diese Meinung teile ich nicht. Das mit der Attraktivität ist so eine Sache. Wie viele Punkte ist Arsenal hinter uns? Ich weiß es gar nicht. Wissen Sie, Leverkusen hat immer attraktiven Fußball gespielt, aber nie etwas gewonnen. Attraktivität für mich heißt auch, erfolgreich zu sein. Man muss den Spagat schaffen. Viele Spiele muss man einfach irgendwie gewinnen. Ich glaube, ganz oben steht der Erfolg, dann kommt das schöne Spiel.

Gegen den SV Werder wurden Sie in Bremen vom Publikum ausgepfiffen und beleidigt. Überrascht sie das als Kapitän der Nationalmannschaft, tut das auch ein bisschen weh nach der Weltmeisterschaft?

Nein. Das hat mit der Rivalität mit Bayern zu tun. Wir hatten immer schwere Spiele dort, ich kann mich auch erinnern, dass sich vor zwei Jahren ein Gegenspieler im Zweikampf das Nasenbein gebrochen hat. Da war ich natürlich der Buhmann. Das vergessen die Leute nicht. Aber ich mache mich frei davon, man darf sich nicht zu viele Gedanken darüber machen. Das ist ja auch eine Art von Anerkennung, wenn man ausgepfiffen wird. Wenn man nicht auffällt, ist man den Leuten egal. Das ist viel schlimmer.

Chelsea hat, wie Sie sagen 13, 14 Weltklassespieler. Arsenal hat weniger, und der beste Mann, Thierry Henry, kann gar nicht spielen. Ist das ein großer Vorteil?

Das Spiel von Arsenal ist sehr stark auf ihn zugeschnitten. Sie spielen meistens mit fünf im Mittelfeld und lassen den Ball stark zirkulieren, aber wenn es nach vorne geht, ist er die einzige Anspielstation. In den beiden letzten Spielen hat er schon gefehlt, da haben sie trotzdem gewonnen. Kurzfristig kann man das kompensieren. Aber auf Dauer sicher nicht.

Ist Chelseas große Kraft im Mittelfeld der Bonus in der harten englischen Liga?

Nicht nur. Alle Mannschaften sind physisch auf einem guten Niveau. Es gibt Teams wie Bolton, die versuchen, uns mit ihrer Kraft niederzuringen, da muss man dagegenhalten. Aber wir gewinnen Spiele auch mit unserer individuellen Klasse. Das Wichtigste ist, dass man sein Spiel variieren kann. Gegen Arsenal wird das Spiel im Mittelfeld gewonnen.

Freuen Sie sich auf das Wiedersehen mit Jens Lehmann? Vielleicht müssen Sie ja einen Elfmeter schießen…

So weit sind wir noch nicht. Wenn wir einen Elfer bekommen, wird man sehen. Jens und ich sind keine engen Freunde, wir haben eigentlich wenig Kontakt. Er wohnt in Nord-London, ich im Süden. Alleine in die Stadt zu fahren, dauert mehrere Stunden. Es ist schwierig, da zusammenzukommen. So sehen wir uns auf dem Platz wieder. Ich freue mich darauf.

Interview: Raphael Honigstein

FC Chelsea gegen FC Arsenal heute um 17 Uhr bei Premiere.

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