Sport : „Ich liebe das Laufen“

Merlene Ottey sprintet mit 46 Jahren noch stark

Friedhard Teuffel

Göteborg – Manches dauert im Alter etwas länger. Bei Merlene Ottey ist es das Anziehen. Eine halbe Stunde nach ihrer Ankunft im Ziel hatte sie immer noch ihre Trainingshose in der Hand. Das lag daran, dass sie immer wieder aufgehalten wurde, sie sollte ein ums andere Mal erzählen, wie es ihr geht und warum sie immer noch läuft. Merlene Ottey ist 46 Jahre alt und hat noch etwas ganz Neues erlebt: eine EM. Für diese späte Premiere hätte es kaum einen besseren Ort geben können als Göteborg. Hier war sie 1995 Weltmeisterin über 200 Meter geworden. Es war ausnahmsweise einmal der erste Platz, sonst wurde Ottey allzu oft Zweite.

Ihre erste Europameisterschaft war es, weil die gebürtige Jamaikanerin seit 1999 in Slowenien lebt und seit 2002 auch slowenische Staatsbürgerin ist. Viel Interessanter als dieser Wechsel ist jedoch das, was gleich geblieben ist, dass Ottey immer noch mit anderen um die Wette rennt. Ihre Begründung: „Ich liebe das Laufen und will sehen, wie schnell ich in meinem Alter laufen kann.“

In Göteborg schied sie im Halbfinale über 100 Meter aus, 11,44 Sekunden brauchte sie, ihre Bestzeit von 1996 liegt bei 10,74 Sekunden. „Auf den ersten 70 Metern war ich gut, dann machte sich das fehlende Training bemerkbar.“ Eine Operation hat Trainingszeit gekostet. Dass sie das Finale verpasst hat, nahm sie gelassen: „Früher musste ich gewinnen, heute kann ich entspannt laufen.“

Ihr Laufstil ist immer noch elegant und wie sie nach dem Zieleinlauf über die Bahn stolziert, wirkt sie wie Cathérine Deneuve unter lauter Verbotene-Liebe-Darstellerinnen.

„Vielleicht starte ich nächstes Jahr bei der Weltmeisterschaft“, sagte Merlene Ottey, „und wenn ich mich qualifiziere, laufe ich auch bei den Olympischen Spielen in Peking.“ Es wären ihre achten Olympischen Spiele. Merlene Ottey wäre 48 Jahre alt.

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