Sport : „Ich liebte zwei Klubs“

ZDF-Moderator Johannes B. Kerner über seine Erlebnisse als Fan – und Ordner im Olympiastadion

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Morgen moderieren Sie die Eröffnungsfeier des Olympiastadions. Sie hatten doch schon mal Ihren Arbeitsplatz dort. . .

Ich kam mit 14 Jahren nach Berlin, als mein Vater beruflich in die Stadt musste, und mit 15 war ich Ordner im Stadion. Mein Revier war BEMNO, so hießen die Blöcke Oberring Mitte, Unterring Kurve. Man bekam eine Jacke und 35 Mark. Die Jacke musste man abends wieder abgeben, aber dafür konnte man das Spiel sehen. Eine Jugendkarte kostete damals fünf Mark, das war also mit den 35 Mark Einnahmen ein gutes Geschäft.

Waren Sie wirklich Hertha-Fan, als Zugezogener?

Ich musste meine Doppelliebe immer verschweigen, weil es niemand verstanden hat. Mein Herz gehörte immer dem 1. FC Köln und Hertha BSC. Ich komme ja aus Bonn, und da lag der FC nahe. Ich gebe aber zu, vor allem damals passten Köln und Hertha gar nicht zusammen.

Was hat Sie am Stadion begeistert?

Die Größe, keine Frage. Vor allem, wenn im Stadion 40000, 50000 Zuschauer saßen, war es einfach überwältigend. Ich erinnere mich besonders gerne an das Jahr 1979, Hertha spielt im Uefa-Cup-Halbfinale gegen Roter Stern Belgrad, es regnet in Strömen, das Stadion ist knackevoll. Es war wundervoll, auch wenn Hertha ausschied.

Hatten Sie oft Ärger als Ordner?.

Ich hatte nie Stress, auch nicht mit den damals berüchtigten Hertha-Fröschen, wie man Herthas Fans damals nannte.

Haben Sie selbst im Hertha-Block als Fan gestanden?

Klar, damals in Block A, allerdings ohne Hertha-Kluft.

Warum?

Einmal reiste ich nach Dortmund zu einer Brieffreundin, die hatte Karten besorgt für das Spiel Dortmund gegen Köln. Ich also mit meiner Köln-Mütze ins Stadion. In der zweiten Minute schießt Heinz Flohe das 1:0. Das war es dann für meine Mütze, sie ging schnell in Flammen auf. Seitdem war ich vorsichtig mit Fan-Utensilien am Leib.

Das Interview führte Armin Lehmann.

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