Sport : „Ich mag die guten Restaurants in Berlin“

Justine Hénin-Hardenne über das Besondere an den German Open, über ihre Ehe und das Leben als Tennisprofi

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Frau HéninHardenne, was verbinden Sie mit Berlin?

Gute Gefühle. Ich habe hier durch den Sieg über Serena Williams im vergangenen Jahr meinen ersten größeren Turniererfolg gefeiert. Deshalb ist Berlin für mich etwas Besonderes. Und ich mag die guten Restaurants hier. Es gibt ein paar sehr gute japanische und italienische Restaurants in der Nähe meines Hotels.

Ist es das, woran man als Tennisprofi bei einer Stadt denkt – an die Restaurants?

Das ist schon wichtig. Wenn man am Tag ein hartes Spiel hatte, möchte man am Abend an einem ruhigen Ort sein, mit gutem Essen.

Was ist mit Sightseeing?

Ich möchte meine Energie für das Turnier bewahren. Ich erkunde schon gerne Städte, aber das geht meistens nicht. Man ist so konzentriert auf das Turnier.

Wenn Sie aber früh aus dem Turnier ausscheiden?

Dann möchte man zurück nach Hause, so schnell wie möglich. Wir reisen viel, ich bin so gut wie nie zu Hause, vielleicht zehn Wochen im Jahr. Wenn ich aus einem Turnier rausfliege, nehme ich den ersten Flug heim. Ich möchte dann einfach nur in meinem Bett sein .

Seit dem vergangenen November sind Sie mit Pierre-Yves Hardenne verheiratet. Wie hat die Hochzeit Ihr Leben verändert?

Die Ehe hat mir Selbstvertrauen und Sicherheit gegeben. Ich weiß, dass ich meinen Mann und meine Familie habe. Wenn man in seiner Tenniskarriere glücklich sein will, muss man auch in seinem Privatleben glücklich sein. Ich fühle mich jetzt erwachsener und reifer.

Fliegen Sie öfter nach Hause, seitdem Sie verheiratet sind?

Nein, überhaupt nicht. Wir haben ja schon vor der Hochzeit zwei Jahre lang zusammengelebt. Mein Mann versucht jetzt öfter zu den Turnieren zu reisen. Aber das macht er nicht, weil wir jetzt verheiratet sind, sondern er tut das für mich und für mein Tennis. Damit ich glücklich bin.

Hat er denn auch eine Verbindung zum Tennis?

Er spielt selbst, aber nur zum Spaß. Und er bringt es Kindern bei. Er mag es zwar auch, gutes Tennis bei den WTA-Turnieren zu sehen, aber er mag es nicht, lange von zu Hause weg zu sein. Das macht es manchmal nicht einfach.

Könnte ein Tennisprofi auch mit jemandem verheiratet sein, der sich überhaupt nicht für diesen Sport interessiert?

Der Partner muss schon verstehen, was wir machen und wie wir leben. Das Leben als Tennisprofi hat viele Vorteile, ich finde, es ist ein wunderschönes Leben. Aber manchmal muss man auch Opfer bringen. Man ist nicht oft zu Hause. Wenn der Partner das nicht versteht, wird es schwierig.

Ist das auch ein Grund dafür, dass so wenig Tennisspielerinnen auf der Tour verheiratet sind?

Das kann sein. Vielleicht wollen viele Spielerinnen warten, bis ihre Karriere vorbei ist, um eine nettere Hochzeit zu haben.

Männliche Tennisprofis scheine eher verheiratet zu sein.

Ich glaube, dass es in der Gesellschaft normaler ist, dass die Frau nicht arbeitet, sondern mit ihrem Mann reist, der Tennis spielt. Bei mir ist das umgekehrt. Wir haben uns aber über diese Dinge keine Gedanken gemacht. Wir haben uns einfach verliebt, das ist das Wichtigste.

Vielleicht liegt der Grund dafür, dass viele Spielerinnen nicht verheiratet sind, darin, dass sie noch so jung sind.

Das stimmt. Viele kommen sehr jung auf die Tour. Da ist es schwierig, den richtigen Partner zu finden, weil man so viel unterwegs ist. Ich bin auch erst 20 Jahre alt, aber ich hatte das Glück, dass ich meinen Mann getroffen habe, als ich 16 war. Wir haben alles zusammen gemacht.

Der nächste Schritt eines verheirateten Paares ist es, Kinder zu bekommen.

Für mich ist das sicher nicht der nächste Schritt. Wir sind sehr glücklich, dass ich meine Karriere habe. Wir werden nicht den Fehler machen und zu früh Kinder bekommen. Wir wollen die nächsten Jahre zu zweit erleben, das ist das Wichtigste. Kinder sind nicht in unseren Plänen für die nächsten sieben oder acht Jahre.

Bei den German Open, die heute beginnen, sind Sie die Titelverteidigerin. Macht es das schwieriger?

Ich mag diese Situation. Aber es ist ein anderes Jahr, ein anderes Turnier. Und ich bin eine andere Spielerin, ich habe in meinem Leben etwas geändert. Ich bin jetzt eine bessere Spielerin – aber die anderen sind auch gut.

Das Interview führte Benedikt Voigt.

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