Sport : „Ich spüre die Muskulatur“ Max Schmeling feiert heute seinen 97. Geburtstag

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Von Hartmut Scherzer

Ein Geburtstag muss nicht immer rund sein, um mit der üblichen Jubiläumsgeschichte gewürdigt zu werden. Wenn Max Schmeling heute 97 Jahre alt wird, ist das durchaus ein besonderes Ereignis. Fragen sich doch seine Bewunderer, wie es dem einstigen Boxweltmeister im Schwergewicht in diesem biblischen Alter geht. Sein Freund Herbert Woltmann, dreißig Jahre jünger, gibt dann eine Auskunft, die sich von der Information zum 96. Geburtstag nicht unterscheidet. Herr Schmeling mache natürlich keine Bocksprünge mehr, sei aber – seinem hohen Alter angemessen – bei relativ guter Gesundheit.

Seine körperliche Kraft und geistige Präsenz vermitteln seinen ausgeprägten Lebenswillen. Ein Phänomen, will Max Schmeling doch, wie er anlässlich eines runden Geburtstages, des 85., einmal verriet, hundert Jahre alt werden. Der unvergessene Boxer tut viel für sein Wohlbefinden. Täglich setzt er sich drei-, viermal auf das Fahrrad-Ergometer vor dem Fernseher und tritt zehn Minuten lang in die Pedale. „Das tut mir gut. Ich spüre meine Muskulatur und empfinde danach eine wohltuende Ruhe, auch wenn ich geschafft bin", zitiert ihn Freund Woltmann.

Wenn am vergangenen Mittwoch die traditionelle Skatrunde ausfiel, dann nur wegen einer leichten Erkältung. Mit der Konzentration beim Kartenspiel und der Kraftanstrengung auf dem Hometrainer hält sich der einstige Champion geistig und körperlich fit. Der „ganz normale Geburtstag", wie er den 97. nennt, wird im engsten Freundeskreis in seinem Waldhaus in der Nordheide mit einem Glas Champagner gefeiert. An dem Glas wird der ehemalige Ringheld freilich nur nippen. Alkohol hat der vorbildliche Sportsmann zeitlebens gemieden.

Der berühmteste lebende Zeitzeuge des zwanzigsten Jahrhunderts mit all seinen historischen Epochen und Ereignissen, Kriegen und Katastrophen reagierte mit einer großzügigen Spende auf die Jahrhundertflut. Den Geschäftsführer seiner Firma, des „Getränkevertriebs Hamburg Max Schmeling & Co. KG", schickte Schmeling mit einem Scheck über 100 000 Euro nach Grimma zum Bürgermeister, „damit das Geld auch auf direktem Weg zu den betroffenen Menschen kommt". Schmeling, dessen Frau, die Filmschauspielerin Anny Ondra, 1987 starb, hat keine Kinder und keine Erben. Die Erträge seiner 1991 gegründeten Stiftung mit einem Kapital von vier Millionen Euro kommen wohltätigen Organisationen vom SOS-Kinderdorf bis zur Pfarrgemeinde seines Geburtsortes Klein-Luckow zugute.

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