Sport : „Ich werde der Bundesliga fehlen“

Kaiserslauterns Spieler Mario Basler über den Wert seiner Person, das Spiel gegen den FC Bayern und den Abschied aus Deutschland

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Herr Basler, Teamchef Rudi Völler scheint nicht mehr viel von Ihnen zu halten.

Was hat er denn?

Er stört sich an Ihrem Selbstbewusstsein und meint, Sie hätten sich zum Ende Ihrer Karriere eingestehen sollen, dass es besser gewesen wäre, statt in zehn Minuten fünf Weizenbiere ex zu trinken ab und zu einmal auf den Trainer zu hören.

Ach, der Rudi, bei Weißbier kann der gar nicht mitreden. Er weiß ja nicht, wie gut Weizenbier schmeckt.

Kann man den FC Bayern mit Weißbier schlagen?

Gute Frage. Die kennen das Getränk zu gut. Aber ernsthaft. Sie müssen ja nur mal auf die Abschlusstabelle der Bundesliga gucken, zwischen uns und denen liegen 35 Punkte, die haben fast doppelt so viele wie wir. Aber wir haben in den letzten zwei, drei Jahren zu Hause den FC Bayern immer ganz klar dominiert. Wenn wir einen guten Tag erwischen, können wir den Pokal holen.

Im August treten Sie Ihren neuen Job im Emirat Katar an. Wie wichtig ist Ihnen ein guter Abgang von der Bühne Bundesliga?

Das Wichtigste ist, dass man erkennt, wann für einen die Zeit abgelaufen ist. Es gibt auch Spieler, die das vergessen haben, die immer weiter gespielt haben und dafür Hohn und Spott bekommen haben. Ich freue mich jetzt noch auf das Pokalfinale gegen die Bayern.

Was wird von Ihnen übrig bleiben?

Ach, einiges. Vor allem meine Art, Fußball zu spielen. Ich glaube schon, dass ich Spaß und Freude bereitet habe. Inklusive ein paar Kopfschmerzen für einige Leute.

Gibt es noch solche Fußballer wie Sie?

Es gibt bestimmt noch Leute, die eine ähnliche Art Fußball spielen wie ich. Aber es gibt nicht mehr solche Typen, die ihre eigene Meinung haben und auch sagen.

Wer ist denn der nächste Basler?

Es gibt keinen nächsten Basler. Genauso, wie es den nächsten Effenberg nicht gibt. Die Vereine möchten, dass die Spieler – auf Deutsch gesagt – die Schnauze halten. Sie wollen nicht, dass die Spieler außergewöhnliche Sätze von sich geben. Das würde Unruhe bedeuten.

Das Problem mit aufmüpfigen Spielern erledigt sich also biologisch?

Die Vereine suchen heute anderweitig veranlagte Spieler, nicht mehr den Unbequemen. Aber biologisch? Gerade hat der Hierro in Madrid als 35Jähriger einen neuen Zweijahresvertrag unterschrieben. Aber natürlich spürt man irgendwann das Alter. Wenn ich einmal keine Pässe über 30 Meter aus dem Fuß spielen kann, dann höre ich auf.

Mario Basler, die Reizfigur. Wie viel ist davon noch übrig?

Bestimmte Situationen erfordern außergewöhnliches Handeln. Ich habe in einigen Situationen bewusst provoziert oder gemacht, was manchmal von der Mannschaft etwas weggenommen hat. Aber man wird älter und hält nicht mehr für alles den Kopf hin.

Ist das Altersmilde? Sie kamen in den letzten Jahren in Kaiserslautern nicht mehr als Provokateur rüber. Sie sind mit den Prämien dem Verein sehr entgegen gekommen, Sie haben 10000 Euro auf den Klassenerhalt gesetzt. Sind Sie eine andere Person geworden?

Vielleicht ist es immer noch dieselbe Person, die gern und oft anders dargestellt wurde. Ich habe mich von meinen Fehlern nie freigesprochen. Und habe dafür bezahlt, ohne dass ich mich darüber beschwert hätte. 50 Prozent der Leute denken so wie ich, die anderen 50 Prozent denken das Gegenteil. Und: Ich würde alles wieder so machen, wie ich es gemacht habe. Und die 10000 Euro bekommt eine Behindertenschule in Ladenburg, die ich unterstütze. Die Kinder werde ich auch aus der Ferne betreuen.

Wird Ihnen nichts fehlen ohne die Bundesliga?

Nein, nichts. Ich werde der Bundesliga mehr fehlen als umgekehrt. Ich bin froh, dass es vorbei ist für mich in Deutschland. Ich habe einen tollen Verein gefunden, eine große Herausforderung vor mir. In einem ganz neuen Land, mit ganz anderer Mentalität. Die Presse ist lange nicht so aggressiv wie hier. Der Fußball ist dort nebensächlich. Auf diese Aufgabe freue ich mich. Deswegen ist auch keine Trauer dabei. Vielleicht ein bisschen Wehmut, weil ich doch ganz gern noch ein Jahr für Kaiserslautern gespielt hätte. Aber durch das Engagement in Katar fällt es mir leichter, die Bundesliga zu verlassen.

Sie haben turbulente Jahre in Berlin und bei den Bayern hinter sich, haben jetzt in Ihrer Heimat Kaiserslautern gespielt, haben genügend Geld, ein schönes Haus und eine Familie. Warum hören Sie nicht einfach auf?

Ich habe schon vor einem halben Jahr gesagt, dass ich noch gern ein bisschen Fußball spielen möchte. In Kaiserslautern habe ich diese Möglichkeit nicht mehr gekriegt. Ich hätte hier sicherlich irgendwo im Trainerstab arbeiten können, aber das war mir einfach zu wenig. Ich fühle mich noch zu gut, um aufzuhören. Ich habe mich also umgehört und mich dann für Katar entschieden.

Was wissen Sie von Katar?

Nicht viel. Aber ich weiß, dass ich alles richtig gemacht habe. Die Menschen dort sind sehr offenherzig. In meinem Alter kann man sich doch nichts Schöneres wünschen, als in einem Land zu spielen, wo das ganze Jahr die Sonne scheint und du nebenbei auch noch fürstlich bezahlt wirst.

Die Ölreserven des Katar sind endlich. Das Land will neue Märkte schaffen, um interessant zu bleiben.

Mit dem Öl haben Sie Recht. Aber ich kann Ihnen sagen, die haben unvorstellbare Erdgasvorräte, die können 100 Jahre ganz Europa versorgen. Denen wird also das Geld schon nicht ausgehen. Ich habe in meiner Karriere genug Geld verdient. Mir würde es auch ohne das Öl der Scheichs gut gehen. Aber sehen Sie, das ist ein Problem hier in Deutschland. Hier ist man auf all das, was der andere mehr hat, neidisch.

Das Problem hat Katar nicht. Die Menschen dort haben alle gleich viel.

Das ist alles ein Lebensstandard. Die Kriminalität liegt bei null Prozent. Eine Frau kann dort mit Goldketten und Brillanten um zwei Uhr nachts allein spazieren gehen, und es wird ihr nichts passieren.

Haben Sie dort ein Fußballspiel gesehen?

Nein. Sie brauchen mich auch nicht fragen, welches Niveau die Liga dort hat. Keine Ahnung. Ich wusste bis vor wenigen Tagen noch nicht einmal, in welchem Verein ich spiele. Und ich weiß immer noch nicht, wer bei mir in der Mannschaft spielt. Die Vereine werden sich mehr oder weniger bewerben um die guten Spieler. Und dann wird entschieden werden müssen, wer wohin geht.

Wird Katar Sie verändern?

Den Menschen Mario kann man nicht verändern. Ich werde mich aber entwickeln. Man ist Ausländer in diesem Land, man sollte sich anpassen, so wie wir das als Deutsche hier von Ausländern erwarten.

Sind Sie in Katar ein Star?

Noch nicht, ich war vor einigen Tagen das erste Mal da. Aber wenn ich das nächste Mal hin fahre und ab August für ein Jahr da bleibe, denke ich schon, dass man mich kennen wird. Ich habe mir das Stadion angeguckt und das Haus. Meine Frau und mein jüngster Sohn gehen mit.

Katar hat eine islamische Gesetzgebung. Die Stellung der Frau ist nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. War Ihre Frau sofort davon begeistert?

Meine Frau hat damit kein Problem. Sie darf sich dort verhalten wie in Deutschland auch. Wenn sie in kurzen Hosen rumlaufen möchte, dann läuft sie in kurzen Hosen rum. Die meisten Reglementierungen gelten nur für Einheimische. Touristen dürfen alles machen. Das ist vielleicht nicht gerecht, aber die Gesetze dort mache ja nicht ich.

Haben Sie den Prinzen schon getroffen?

Noch nicht. Ich hatte bisher nur mit dem Generalsekretär zu tun, aber der gehört auch irgendwie zur königlichen Familie, wie eigentlich alle, die da was zu sagen haben.

Weiß die königliche Familie, auf wen sie sich da einlässt?

Der Prinz ist über jeden einzelnen Spieler sehr gut informiert. Der weiß wahrscheinlich mehr über mich als ich selbst. Als neulich auf der Pressekonferenz eine Frage zu meiner Person gestellt wurde, hat der Präsident geantwortet. Der wusste alles.

Haben Sie Bedingungen gestellt?

Nicht eine, mal abgesehen davon, dass man im Krisenfall sofort ausgeflogen wird.

Wann werden wir Sie hier wiedersehen?

Zu Weihnachten, aber ich komme dann nicht nach Hause, denn ein Zuhause habe ich ja dann nicht mehr in Deutschland. Ich bin nur zu Besuch in Deutschland und werde Deutschland wieder verlassen. Ich bin dann Bürger des Emirats Katar.

Das Gespräch führten Sven Goldmann und

Michael Rosentritt.

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