Sport : „Ich werte es nicht als Niederlage“

Bernd Schuster verblüfft nach Reals Ausscheiden

Julia Macher

Madrid/Barcelona - Mit starrem Blick verließen Torwart Iker Casillas und Stürmer Raul das Madrider Santiago-Bernabeu-Stadion. Die 1:2-Niederlage gegen den AS Rom hatte ihre Mienen schockgefroren. Zum vierten Mal in Folge verabschiedete sich der spanische Rekordmeister im Achtelfinale aus der Champions League, von den angestrebten drei Titeln bleibt Real nur noch die Hoffnung auf die Liga. Auch Trainer Bernd Schuster war die Enttäuschung anzusehen, tief hatte er beim Schlusspfiff das Gesicht in den Händen vergraben.

Umso verblüffender wirkte seine Spielanalyse wenige Minuten später. „Ich werte es nicht als Niederlage“, sagte Schuster. „Wir haben alles gegeben, aber der Ball wollte einfach nicht rein.“ Das sorgte dann doch für das eine oder andere Räuspern, schließlich hatte Madrid dem gut organisierten und flüssig spielenden Rom über weite Strecken wenig entgegengesetzt. Real reihte Fehlpass an Fehlpass, erst spät gelang es, den Druck zu erhöhen. Robinho spielte uninspiriert, Raul wirkte auf der ungewohnten Position als zentraler Stürmer ohne den verletzten Ruud van Nistelrooy verloren, Julio Baptista konnte den Holländer nicht ersetzen.

Nachdem Verteidiger Pepe mit Gelb-Rot vom Feld musste, ging Rom verdient durch Rodrigo Taddei in Führung. Zwar konnte Raul zwei Minuten später durch ein übersehenes Abseitstor ausgleichen, doch in der Nachspielzeit machte Mirko Vucinic mit dem 2:1 die königlichen Hoffnungen endgültig zunichte. „Wir hatten einen intelligenten Rivalen“, sagte Schuster. „Den habt ihr wohl falsch eingeschätzt.“ Es sollte eine leichtfüßige ironische Bemerkung sein – die Presse hatte vorschnell über den leichten Gegner AS Rom gejubelt – im Moment der Niederlage wirkte sie allerdings völlig deplatziert.

Wäre Schuster noch Trainer beim FC Getafe, wäre das nicht weiter schlimm. Dort liebte man Schuster für seine Bärbeißigkeit. Doch bei Real Madrid gilt sie als Zeichen für Arroganz. Bereits letzte Woche hatte der Coach die Presse düpiert, indem er den Saal verließ, weil ihm die Fragen zu blöd waren. Zeigt sich Bernd Schuster nicht bald umgänglicher, könnte das für ihn zum großen Problem werden. Julia Macher

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