Sport : „Ich will das erreichen, was Beckenbauer geschafft hat“

Jahrhundert-Handballer Erhard Wunderlich über Hotels, sein Engagement für die Bundesliga und seinen Traum vom Olympiasieg

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Herr Wunderlich, erklären Sie uns doch mal, warum man als Handballer des Jahrhunderts das Verlangen verspürt, Hotelier zu werden.

Die Unterschiede sind gar nicht so groß. Beide sollten zur richtigen Zeit am richtigen Ort eine gute Mannschaft im Rücken haben. Dann stimmt auch die Leistung für das Geld des Zuschauers, oder des Gastes.

Das klingt nach einem Werbespruch …

Mag sein, aber ein Erhard Wunderlich allein hätte nie mehr als 500 Länderspieltore geworfen. Ich bin nun mal ein Teamplayer.

Nach dem Ende Ihrer Karriere 1993 haben Sie dann aber doch Ihr eigenes Spiel gespielt. Bis zu Ihrer Wahl zum Handballer des Jahrhunderts haben Sie nichts mehr für Ihren Sport getan.

Das stimmt, ich wollte erst einmal Abstand gewinnen. Aber mit dieser besonderen Wahl bekam ich plötzlich wieder so ein Gefühl, unbedingt wieder etwas für meinen Sport tun zu müssen. Etwa zwei Stunden lang lief in mir ein Film ab, in dem große deutsche Handballer der Vergangenheit vorkamen. Viele Namen gingen mir durch den Kopf, aber ich hatte die Auszeichnung erhalten. Das war schon etwas ganz Großes.

Das sieht wohl auch die ARD so. Die hat Sie für Auftritte während der Weltmeisterschaft 2005 in Tunesien verpflichtet und bezeichnet Sie bereits als den Günter Netzer des Handballs. Ist Ihnen das recht?

Nein, auch wenn ich bei der WM als Experte fürs Fernsehen dabei sein werde. Ich bin nicht der Günter Netzer, ich bin der Wunderlich des Handballs.

Noch ein Vergleich: Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, hat Sie mit Franz Beckenbauer gleichgesetzt. Gefällt Ihnen das besser?

Na ja… Aber was Beckenbauer für den Fußball getan hat, das möchte ich auch für den Handball erreichen. Unsere Sportart ist einfach gut genug und sie hat es auch verdient, mehr in den Medien stattzufinden.

Und Sie sind der Richtige für diese Aufgabe?

Ich bin die neutralste Person für diesen Job, die es gibt. Ich bin keinem Verein gegenüber verpflichtet. Das heißt: Was ich erreiche, kommt allen zugute.

Wie kommt es dann, dass sich der Vorsitzende der Handball-Bundesliga, Bernd-Uwe Hildebrandt, sehr skeptisch zu Ihrer Verpflichtung geäußert hat?

Das weiß ich nicht. Ich werde mich mit ihm treffen, dann werden wir weitersehen.

Kann es etwas damit zu tun haben, dass Hildebrandt Magdeburger ist und sein Spieler Stefan Kretzschmar die Handball-Bundesliga ebenfalls vermarkten möchte?

Ich finde es gut, was Stefan Kretzschmar vorhat. Wir können doch auch parallel etwas tun.

Was wollen Sie denn genau erreichen, mal abgesehen von einer stärkeren Medienpräsenz des Handballs?

Ich werde der Liga mehr Sponsoren beschaffen. Marketing, PR-Arbeit und Repräsentanz sind außerdem mein Ding. Ich habe schon mit meiner Werbeagentur für die Lufthansa, Hertz, Accor, IBM und die Stiftungen von Franz Beckenbauer und Uwe Seeler gearbeitet.

Haben diese Kontakte der Handball-Bundesliga schon irgendeinen Nutzen gebracht?

Die Hotelkette Accor bietet jetzt den Vereinen in seinen Häusern verbilligte Übernachtungen an, und dann sind wir über die Firma Ticketcorner dabei, für den Handball-Fan Gesamtpakete anzubieten.

Was können Sie zum Beispiel für einen Berliner Fan tun, wenn er in Kiel ein Spiel gegen Flensburg sehen möchte?

Für diesen Fan würden wir die Karten besorgen. Wenn er es wünscht, würden wir auch die Hotelübernachtung organisieren und auch weitere Wünsche im Zusammenhang mit seinem Aufenthalt erfüllen.

Und die Vereine?

Bringen wir Sponsoren in die Liga, dann profitieren in den Zeiten knapper Kassen alle gleichermaßen. Ich denke aber ebenso an gute Werbeverträge für die Nationalmannschaft.

Mit welchen Argumenten treten Sie an potenzielle Sponsoren heran?

Der deutsche Handball ist erfolgreich, wir haben die stärkste Liga der Welt, und die Zuschauerresonanz steigt ständig. Außerdem sind wir in einer Umbruchsituation.

Schreckt ein Umbruch nicht eher ab? Sponsoren wollen doch vor allem Sicherheit und Verlässlichkeit.

Nein, das ist für viele die beste Einstiegschance. Nach der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Athen ist alles auf die WM 2007 in Deutschland ausgerichtet. Und Olympia in Peking kommt ein Jahr danach. Da lohnt sich ein Engagement, denn Bundestrainer Heiner Brand hat seine Fähigkeit bewiesen, dass er ein internationales Top-Team aufbauen kann.

Ihr Ziel ist also, über eine finanziell gesunde Bundesliga und eine gut ausgestattete Nationalmannschaft den Olympiasieg zu erreichen?

Ja, das ist mein Traum.

Das Gespräch führte Hartmut Moheit

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