Sport : „Ich wollte nur schlank sein“

Brustschwimmer Mark Warnecke erklärt, welche Ziele er bei der WM hat und wie er 16 Kilogramm abnahm

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Herr Warnecke, auf die WM in Montreal wollten Sie sich mit den anderen deutschen Schwimmern beim Trainingslager in Ottawa vorbereiten. Es wurde vorzeitig abgebrochen. Warum?

Schon als wir aus dem Bus gestiegen sind, war mir klar: Das wird nichts. Die Wahl des Hotels war sicher nicht gut, und das angeschlossene Restaurant war eine Sportbar, in der es Hamburger und Chicken Wings gab.

Für Hamburger und Chicken Wings hätten Sie früher viel getan, oder?

Das ist nach wie vor so, ich habe doch nicht meine Vorlieben geändert. Höchstens den Umgang damit.

Den Umgang – und den Umfang.

Beides. Früher hätte ich mich über so eine Sportbar wie in Ottawa gefreut. Da hätte ich mir 50 Flügel reingepfiffen. Jetzt nehme ich einen – um mal zu schauen, wie es da schmeckt. Und das war’s dann.

Heute kochen Sie sich lieber Suppe und werfen jedes Mal Ihr Diätpulver dazu. Sie haben seit Jahresbeginn 16 Kilogramm abgenommen und wiegen nur noch 95 Kilo.

Das ist kein Diätpulver, sondern ein reines Aminosäureprodukt. Die Wirkung von Aminosäuren ist unumstritten. Jeder weiß, dass sie anabol wirken und die Regeneration beschleunigen. Ich nehme ab, ohne dass ich an Muskelmasse verliere. Aber es ist nicht verboten, etwas anabol Wirkendes zu machen. Was ich nehme, ist kein Anabolikum, kein Medikament, sondern eine Zusatzernährung, die ich selbst entwickelt habe. In dem Produkt sind 17 Aminosäuren enthalten.

Sie als Arzt werden das wissen. Nehmen Sie alle 17 Aminosäuren täglich zu sich?

Morgens auf nüchternen Magen ein bis zwei Esslöffel. Dann vor dem Training zwei und nach dem Training noch einmal drei Esslöffel. Das ist die Basis für alles. Erst habe ich überlegt, mir etwas mit Soja reinzupfeifen. Aber ich habe die tierische Zusammensetzung gewählt, denn das ist nah dran am Menschen. Das beste Beispiel für die Wirkung ist Sarah Poewe...

...Ihre Brustschwimmer-Kollegin...

...ja. Gleich nach den deutschen Meisterschaften im Mai kam sie zu mir und fragte, was es mit diesem Produkt auf sich habe. Sie hat es dann in Amerika ausprobiert – und unter vollem Training sieben Kilo abgenommen. Die Leute aus unserem Team haben sie auf dem Flughafen jetzt gar nicht mehr erkannt. Das hat sie alles von mir bekommen. Ich hätte nicht gedacht, dass das so eine Wirkung haben könnte.

Ihnen hat das nach der verpassten Olympia-Qualifikation für Athen zu einem unerwarteten Comeback verholfen.

Ich hatte nicht vor, noch einmal bei einer Weltmeisterschaft an den Start zu gehen. Ich war im Winter einfach sehr unzufrieden mit meiner Körperform. Ich war immer ein Fan von Aminosäuren, bin seit 1995 in diesem Thema drin. Also habe ich Forschungen betrieben – ein Zufall, dass es jetzt gepasst hat. Ich habe abgenommen und bin eine Bestzeit nach der anderen geschwommen. Wenn ich früher nur ein Kilo verloren hatte, konnte ich nachher nicht mehr laufen.

Sarah Poewe haben Sie als Kundin akquiriert. Soll das so weitergehen?

Zumindest herrscht ein Riesenandrang auf meiner Homepage. Diese Geschichte ist praktisch meine Geburt, mein Baby. Andererseits bekomme ich hier in Montreal 200 oder 300 Mails am Tag und habe mir schon überlegt, ob ich die Sache nicht abgebe. Schließlich ist das nur ein Hobby.

So wie das Schwimmen. Jetzt sind Sie mit 35 Jahren wieder bei einer WM am Start. Am Mittwoch ist das Finale über 50 Meter Brust. Was haben Sie sich vorgenommen?

Ich will meine Zeit von den deutschen Meisterschaften wiederholen. Oder verbessern. Ich halte im Moment die Weltjahresbestzeit, vier Zehntelsekunden vor dem Nächstbesten. Das klingt, als könnte ich relativ weit vorne landen.

Und wenn alles rund läuft für Sie, dann stehen Sie auch mit 36 oder 37 noch auf den Startblöcken?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Für diese WM habe ich mich nur zufälligerweise qualifiziert. Es war nie mein Ziel, hier dabei zu sein – ich wollte nur schlank sein. Und damit habe ich mein Jahresziel schon erfüllt. Sportlich denke ich da anders. Ich trainiere nach wie vor so intensiv, wie ich es sowieso machen würde. Und das hat eben für die WM gereicht.

Jetzt sind Sie hier – und überspitzt gesagt: Einige Athleten im deutschen Kader könnten Ihre Kinder sein. Fühlen Sie sich noch als reiner Sportler oder verspüren Sie schon Vatergefühle?

Das geht fließend ineinander über. Was früher unmöglich war, mache ich jetzt verstärkt: Ich sitze mit Offiziellen zusammen, mit dem Teamarzt und den Trainern, und unterhalte mich mit ihnen. All das macht ein 18-Jähriger ja eher nicht. Außerdem verkneife ich mir jetzt diverse Aktivitäten von früher. Man wird eben ruhiger. Hier in Montreal habe ich eines der seltenen Einzelzimmer und muss nicht mit einem 18-Jährigen zusammenwohnen. Denn das wäre ganz schön nervig. Für beide.

Das Gespräch führte Andreas Morbach.

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