Sport : „Ich zweifle nie an mir“

Miroslav Klose über seinen erfolgreichen Start in die WM, die Unterstützung des Bundestrainers und durch seine Kollegen

Jaaaaaa! Miroslav Klose feiert
Jaaaaaa! Miroslav Klose feiertFoto: dpa

Herr Klose, das war der dritthöchste WM- Auftaktsieg einer deutschen Mannschaft. Was ist dieses 4:0 wert?

Erst einmal ist wichtig, dass wir gewonnen haben. Man hat gesehen, dass wir Spaß am Fußball haben. Wir haben zwar eine sehr junge Mannschaft, die aber auch sehr gut Fußball spielen kann. Ich bin froh, wenn ich sehe, wie einfach wir uns Torchancen erarbeitet haben. Und das ist vielleicht auch das einzige Manko, dass wir vielleicht ein, zwei Tore mehr machen können. Sonst kann ich nichts Negatives finden.

Sie haben auch zwei Anläufe gebraucht, bis es mal wieder geklappt hat. Das war sicherlich der schwierigste Ball, den Sie da zum 2:0 verwandelt haben …

Ich war froh, dass er drin war. Aber das haben wir oft einstudiert mit Philipp Lahm. Wenn wir beide den richtigen Zeitpunkt finden und ich in die Höhe komme, kommen da nicht viele Torhüter hin. Das hat super funktioniert.

Sie haben nun schon zum dritten Mal in einem WM-Auftaktspiel getroffen …

Erinnern Sie mich nicht daran. Bei der WM 2002 habe ich drei Tore im Auftaktspiel gemacht, 2006 waren es zwei. Wenn es so weitergeht, brauche ich 2014 gar nicht aufzulaufen.

Was haben Sie nach der ersten vergebenen Chance gedacht: Haben Sie geflucht?

Ja, weil ich mich geärgert habe. Ich wollte den Ball in die lange Ecke schießen und nicht in die kurze. Aber ich wusste, dass ich mich heute auf die eine Chance, die ich nutzen muss, zu fokussieren habe. Ich habe es geschafft.

Als der Ball im Netz zappelte, muss eine große Last von Ihnen abgefallen sein.

Ich habe ja die Schlagzeilen mitbekommen, aber ich war fit, ich war lauffreudig. Das ist einfach mein Spiel, überall zu sein, und auf diesen Moment zu warten. Wenn man die Spiele während der Vorbereitung sieht, hatte ich in jedem Spiel vielleicht eine Chance. Heute hatte ich fünf. Das ist einfach mein Spiel, wenn mich meine Mitspieler so in Szene setzen, dann ist es auch einfacher für mich. Und wenn ich erst einmal getroffen habe, dann bin ich drin.

Ihre Kollegen haben Sie mehrmals geherzt: Erst nach dem Tor und noch mal nach dem Schlusspfiff. War das nicht etwas viel?

Nein, das war ein schönes Gefühl. Ich habe nie gespürt, dass die Mannschaft an mir zweifelt. Wen Sie auch fragen, jeder hat an mich geglaubt. Ich am meisten. Ich weiß, was ich kann.

Sie haben nie an sich gezweifelt?

Ich zweifele nie an mir. So war ich schon immer. Ich weiß, dass ich auf den Punkt fit sein kann. Jetzt war es so weit.

Philipp Lahm hielt Sie nach dem Tor für gefühlte 30 Sekunden im Arm. Was hat er Ihnen denn gesagt?

Ganz ehrlich? Ich weiß das nicht. Ich war noch zu fokussiert. Ich war irgendwo. Auf dem Weg zum Flughafen – wir sitzen in unserem Bus ja am selben Tisch – da haben wir uns noch einmal über die Szene unterhalten. Da habe ich ihn noch mal gefragt, was er denn gesagt hatte? Und wissen Sie, was? Er wusste es auch nicht mehr.

Sie haben beim FC Bayern kaum gespielt und viel aufzuholen. Deshalb sollen Sie viele Extraschichten eingelegt haben, auch an den freien Tagen vor dem Abflug nach Südafrika.

Ja, so war es abgesprochen. Ich musste und wollte jeden einzelnen Tag nutzen. Ich habe zwei, fast dreimal am Tag trainiert. Ich habe das gebraucht. Ich habe mich mit dem Trainer darauf geeinigt, dass das Australienspiel der Fixpunkt ist. Ich glaube, wir beide haben alles richtig gemacht.

Sie wirkten verwundert, als der Trainer Sie in der zweiten Halbzeit auswechselte.

Verwundert? Na ja, es wurde die Nummer 11 angezeigt und normalerweise habe ich im Verein die 18. Dann fiel mir ein: Mensch, das bist du ja. Im Ernst: Ich wusste, dass ich irgendwann rausgehe, aber für mein Gefühl war es einen Tick zu früh. Aber Cacau und Mario Gomez haben sich beide ihren Einsatz verdient. Und ich bin sehr froh, dass Cacau getroffen hat. Das wird ihn aufbauen.

Was ist möglich mit diesem jungen Team?

Es ist wichtig, dass wir das Auftaktspiel gewonnen haben, aber wir haben noch nichts erreicht. 2002 hatten wir eine viel erfahrene Mannschaft und sind bis ins Finale gekommen. Heute spielen wir viel schneller und dynamischer, spielerisch kann man das nicht mehr vergleichen. Ich wünsche mir, dass wir wie 2002 das Finale erreichen. Es ist daher gut, von Spiel zu Spiel denken. Wir haben eine schwierige Konstellation. Die Serben stehen schon mit dem Rücken zur Wand, sie müssen gewinnen. Es kann ein Vorteil sein für uns, aber auch ein Nachteil.

Aufgezeichnet von Michael Rosentritt.

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