Sport : Idole im Ausverkauf

Lars Spannagel wundert sich, wie schnell die Liebe in Barcelona abkühlt

Lars Spannagel

Alles muss raus. Der FC Barcelona verscherbelt gerade ein Idol nach dem anderen. Längst ist vergessen, wie dieselben Spieler 2006 die Champions League durchtanzten. Dass Trainer aus aller Welt kamen, um mit eigenen Augen zu sehen, was diese Mannschaft so magisch machte. Wie der Klub nun die Helden von einst abserviert, ist äußerst unfein. So fanatisch man in Katalonien Fußballspieler liebt, so schnell lässt man sie fallen, wenn sie die Liebe enttäuschen.

Deco wechselte zum FC Chelsea, Ronaldinho – einst Inbegriff des schönen Spiels und katalanischer Volksheld – wurde erst öffentlich gedemütigt und dann zum AC Mailand abgeschoben. Jetzt eröffnete Barcas neuer Trainer Pep Guardiola dem Stürmer Samuel Eto’o, er werde nicht mehr gebraucht. In vier Jahren hat Eto’o 77 Ligatore für Barca erzielt, zweimal in Folge schoss er den Klub zum Meistertitel, sein Vertrag läuft noch zwei Jahre – alles egal. Es ist auch nicht wichtig, dass Guardiola mit seiner Ansage womöglich Eto’os Preis drückt. Hauptsache, die Erinnerung an die gefallenen Helden wird möglichst schnell ausradiert. Kontinuierliche Arbeit und behutsame Generationswechsel sind nämlich nicht die Sache des FC Barcelona. Unvergessen ist Trainer Louis van Gaal, der acht niederländische Landsleute mitbrachte. Guardiola wird sich an dieses erfolgreiche aber unbeliebte Team gut erinnern: Er war einer der wenigen Nicht-Holländer in der Mannschaft.

Die Fans des FC Barcelona verlangen jetzt frische Helden. Aleksandar Hleb wird nicht der letzte Neueinkauf sein. Er sollte darauf gefasst sein, dass Barcas Liebe schnell in Verachtung umschlägt.

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