Sport : Idole sterben nie

Auch an seinem ersten Todestag geht die Geschichte des Marco Pantani weiter

Vincenco Delle Donne[Cesenatico]

Zuerst wurde feierlich die Statue mit seinem Ebenbild enthüllt. Danach wurde in der überfüllten Kirche eine Messe gefeiert, ehe mehrere hundert Menschen zusammen mit der Familie zu seinem Grab in Cesenatico pilgerten. Der Radsportheld Marco Pantani ist vor einem Jahr verstorben. Und lebt in Italien weiter.

Dabei ist er so gestorben, wie er die schweren Bergetappen anging – allein auf weiter Flur. Pantani  zerbrach an seiner Drogensucht, eine Überdosis Kokain setzte seinem Leben ein Ende. In seinen letzten Lebensmonaten fühlte sich Pantani von Familie und Freunden im Stich gelassen. Mit der Familie hatte sich der 34-Jährige wegen seiner Kokainsucht überworfen. Mutter Tonina und Schwester Manola hatten vergeblich auf ihn eingeredet, zu einem geregelten Leben zurückzukehren. Vater Paolo hatte seine Konten sperren lassen. Der Sohn hatte sein Geld auf dem Konto des Vaters deponiert. Der sollte für ihn seinen Reichtum verwalten. Auch von seiner Freundin wurde Pantani verlassen. Irgendwie aber hatte er Geld aufgetrieben, um sich bei dem Dealer Fabio Miradossa 30 Gramm Kokain zu besorgen. Miradossa und zwei weitere Dealer wurden gestern wegen Rauschgiftverkaufs mit Todesfolge angeklagt.

Der einst hagere Junge hatte sich verändert:  Von seiner Sucht gezeichnet, wog Pantani gut 90 Kilogramm. Er „bestellte“ sich in das Apartmenthaus in Rimini, in dem er abgestiegen war, eine Nachtklubtänzerin. Am nächsten Morgen wurde er tot aufgefunden. Ob er Selbstmord begangen hatte, ist unklar.

Mit 26 Jahren hatte Pantani das legendäre Double geschafft: Er gewann den Giro d’Italia und die Tour de France im selben Jahr  – kaum ein Jahr später begann sein  Absturz. Vor der vorletzten Giro-Etappe, in Führung liegend, musste er zur Dopingkontrolle. Die ergab einen Hämatokritwert von 51 Prozent. Das deutete auf einen Einsatz des Dopingmittels Epo hin. Pantani wurde gesperrt. Er glaubte an ein Komplott gegen ihn.  Er allein würde für eine Dopingpraxis bezahlen, die auch die Konkurrenten praktizierten. „Wenn du nicht gewinnst, vergessen sie dich alle“, sagte Pantani  zu seinem Ex-Teamkollegen Filippo Simeoni.

Italien vergisst Pantani nicht. Seine Lebensgeschichte gibt es bereits als Buch. Der Bestseller heißt: „Ein Mann reißt aus“. Es basiert auf Aufzeichnungen, die Pantani in seinen letzten Lebensmonaten angelegt hat. Auch die Filmrechte wurden schon verkauft. Pantanis Mutter setzt indes die Suche nach der Wahrheit über seinen Giro-Ausschluss fort: „Ich werde so lange weitermachen, bis die ganze Wahrheit ans Tageslicht kommt.“

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