Sport : Ignorieren geht nicht mehr

von

Nun ist es also fast zur Gewissheit geworden: Deutschlands Handballer dürfen wohl nicht an der Europameisterschaft 2014 in Dänemark teilnehmen. Zum ersten Mal überhaupt stellt der mitgliederstärkste Handball-Verband des Planeten aller Voraussicht nach kein Team bei einer Kontinentalmeisterschaft – es wäre eine historische Blamage, die sich mit dem Verpassen der Olympia-Qualifikation im vergangenen Jahr bereits angedeutet hatte. Und die zwangsläufig Fragen aufwirft. Was ist passiert seit dem WM-Sieg im eigenen Land vor sechs Jahren? Was läuft eigentlich falsch im Mutterland des Handballs?

Das Absurde an der Frage ist, dass man die Antwort darauf im Grunde seit Jahren kennt und offenbar trotzdem nicht in der Lage war, den offensichtlichen Missständen entgegenzusteuern. Zentrales Problem bleibt die Anschlussförderung talentierter Spieler, sobald diese den Jugendbereich verlassen oder die Nationalmannschaft der Junioren. Weil die meisten Bundesligisten längst Unternehmen geworden sind, für die in erster Linie der sportliche und wirtschaftliche Erfolg zählt – und eben nicht die Nationalität der Spieler. Deutschlands Handball-Großmacht, der THW Kiel, beschäftigt in seinem Kader lediglich vier deutsche Spieler, beim frisch gekürten Champions-League-Sieger HSV Hamburg sieht es kaum anders aus.

In diesem Bereich müssen die Vereine umdenken. Und zwar nicht nur, weil Lokalhelden ohnehin der Identifikation mit dem eigenen Verein dienen. Sondern weil sich die Sportart langfristig auch wesentlich lukrativer über den Erfolg der Nationalmannschaft vermarkten lässt.

Im September wird beim DHB ein neuer Vorstand gewählt. Es bleibt schwer zu hoffen, dass davon neue Impulse in Sachen Nachwuchsförderung ausgehen. Ob das zwangsläufig eine Quote für deutsche Spieler sein muss, sei mal dahingestellt. Aber Veränderungen müssen her.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben