Sport : Ihre Müdigkeit

Lustlose Bayern spielen 0:0 gegen Mainz und freuen sich auf das Duell mit Real Madrid.

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Außer Sichtweite. Timoschtschuk und die Bayern können den Titel abhaken. Foto: dapd
Außer Sichtweite. Timoschtschuk und die Bayern können den Titel abhaken. Foto: dapdFoto: dapd

Dass aus diesem Fußballabend nichts werden konnte, stand im Prinzip schon gut eine Stunde vor Spielbeginn fest: als die Partie Schalke gegen Dortmund mit dem Ergebnis 1:2 abgepfiffen wurde. Damit war die letzte Hoffnung des FC Bayern gestorben, doch noch durch eine wundersame Wende die Bundesligasaison mit dem Meistertitel abzuschließen. „Damit müssen wir uns abfinden“, sagt Toni Kroos. Und so lag über dem Samstagabendspiel der Bayern gegen Mainz von Anfang von bis Ende eine seltsame Is-doch-egal-Stimmung. Das Ergebnis von 0:0 war da nur folgerichtig. „Es waren keine schönen Voraussetzungen nach der Niederlage am Mittwoch und dem Dortmunder Sieg heute. Da ist es nachzuvollziehen, dass ein bisschen der Esprit gefehlt hat“, erklärte Sportdirektor Christian Nerlinger die Vorstellung. „Wir konzentrieren uns jetzt ganz auf die Champions League und den DFB-Pokal.“

Welchen Stellenwert diese Partie für die Bayern hatte, bewies schon die Startaufstellung. Franck Ribéry, Philipp Lahm, Mario Gomez, Toni Kroos, sie alle saßen auf der Bank. Dafür durfte Bastian Schweinsteiger von Anfang an Spielpraxis sammeln. Trainer Jupp Heynckes gratulierte schon vor der Partie den Dortmundern: „Man muss sagen, sie werden verdient Deutscher Meister, weil sie eine konstante Saison gespielt haben, weil sie sich letztendlich sich immer wieder fokussiert haben auf die nächste Begegnung.“

Die Bayern gingen dieses Spiel so engagiert an, als handele es sich um das erste Vorbereitungsspiel in der Sommerpause. In den ersten 20 Minuten brachten sie ein paar halbherzige Angriffe zustande, und dann kam die Partie fast völlig zum Erliegen. Auch die an diesem Tag eingesetzten Reservespieler schienen nicht übermäßig interessiert daran, sich zu empfehlen. Einzig Ivica Olic spulte Kilometer um Kilometer ab. Mancher seiner Sprints war verdienstvoll, mancher aber auch sinnlos. So zeigte dieses Spiel recht anschaulich einen der Gründe, warum die Bayern diese Saison als Zweiter abschließen werden: weil sie die schlechtere Ersatzbank haben im Vergleich zu Dortmund. Olic, Rafinha, Timoschtschuk und Contento sind nicht die Spieler, mit denen die erste Elf unter Druck zu setzen wäre oder die als Einwechselspieler der Mannschaft einen neuen Impuls geben können.

Die Gäste aus Mainz hielten in dieser Partie wacker mit, besondere Akzente setzten sie nicht. Kurz vor der Pause brachten die Bayern ihre Anhänger dann doch zweimal kurz in Wallung. Nach einer geklärten Ecke hielt Anatolij Timoschtschuk aus gut 20 Metern einfach mal drauf. Sein Flachschuss krachte an den Pfosten. Kurz darauf trennte Thomas Müller mit einem Pass eine Nahtstelle der Mainzer Abwehr auf. Olic hatte freie Bahn auf das Tor, blieb aber kläglich an Torwart Heinz Müller hängen.

Zur zweiten Halbzeit brachte Heynckes Ribéry für den leicht angeschlagenen Alaba. Als auch das ohne Wirkung blieb, kam nach einer Stunde Gomez für Olic. Doch auch diese Korrekturen vermochten die Partie nicht zu retten. Erst kurz vor Schluss zwang der inzwischen auch eingewechselte Kroos mit einem seiner gefürchteten Distanzschüsse Müller zu einer starken Parade. Und nun, haben die Bayern einen nachwirkenden Knick davongetragen, ausgerechnet vor dem Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid am Dienstag? Nein, nein, natürlich nicht, wiegelten die Spieler ab. „Das sind zwei völlig verschiedene Wettbewerbe“, sagte Kapitän Philipp Lahm. „Das zu trennen, haben wir bisher immer gut hinbekommen. Auf dieses Spiel kann man sich nur freuen. Es gibt wenig Schöneres.“ Seltsam leer klangen diese Worte, doch das war wohl kein Wunder an so einem Abend.

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