Sport : Illustre Gesellschaft

Beim Deutschland-Cup treffen erstmals Eishockey-Profis der NHL aufeinander

Claus Vetter[Hamburg]

Es gab Zeiten, da wurde der Deutschland-Cup in der internationalen Eishockey-Szene belächelt. Schließlich fehlten bei dem Turnier meist die großen Stars, traten Teams wie Kanada und die USA nur mit zweitklassiger Besetzung an. In diesem Jahr ist das anders – dank der Spielpause in der National Hockey League (NHL). In Nordamerika haben sich Klubbesitzer und Spielergewerkschaft noch immer nicht über eine Gehaltsobergrenze einigen können.

Über 200 NHL-Profis überbrücken nun die Zeit in europäischen Klubs, alle fünf beim Deutschland-Cup antretenden Nationen haben diesmal Spieler aus der nordamerikanischen Profiliga in ihrem Kader. Ein Novum bei diesem Turnier. Allein die USA, die gestern in Hamburg erster Gegner der deutschen Mannschaft war (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet), tritt beim Deutschland-Cup mit 17 NHL-Profis an. Darunter sind zehn Spieler, die in dieser Saison noch nicht aktiv waren und aus den USA angereist sind. Für den neuen Bundestrainer Greg Poss sind die USA klarer Favorit.

Allerdings ist auch die Slowakei, die erstmals an dem Turnier teilnimmt, nicht zu unterschätzen. Auch die Slowaken haben ein Dutzend NHL-Profis im Kader. Kanada und Schweiz komplettieren das Teilnehmerfeld, die Schweizer unterlagen am Mittwoch dem Weltmeister Kanada 2:3 nach Penaltyschießen – und das in der Schweiz. Die deutsche Mannschaft trat gestern in der Hamburger Color Line Arena an. Ab heute geht das Turnier in Hannover weiter: Dort spielt Deutschland am Freitag gegen die Schweiz (19.15 Uhr), am Sonnabend (14.30 Uhr) gegen die Slowakei und am Sonntag (14.15 Uhr, alle Spiele live im DSF) gegen Kanada.

Für viele der NHL-Stars aus Nordamerika ist der Deutschland-Cup auch eine Gelegenheit, wegen der Aussperrung durch ihre Klubs in Europa vorzuspielen. Die amerikanischen Stürmer Richard Park (Minnesota) und Jason Blake (New York Islanders) haben bereits Interesse an einem Engagement in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) signalisiert. Gut möglich, dass mancher der Stars aus Nordamerika das Rückflugticket in die Heimat nach dem Deutschland-Cup nicht mehr in Anspruch nimmt.

Angesichts der illustren Gegnerschaft sieht Bundestrainer Poss das Turnier für seine Mannschaft als „die Generalprobe für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr“. Allerdings muss ausgerechnet die deutsche Mannschaft auf viele ihrer NHL-Profis verzichten. Stürmer Jochen Hecht (sonst Buffalo, momentan Mannheim) ist der einzige Spieler aus der NHL im deutschen Aufgebot. Auf eine Nominierung von Torwart Olaf Kölzig (Washington) hat Poss verzichtet, weil er den jungen Torhütern Oliver Jonas (Berlin) und Robert Müller (Krefeld) Spielpraxis geben will.

Die Verteidiger Christian Erhoff und Denis Seidenberg können nicht nach Deutschland kommen, weil sie in der American Hockey League spielen müssen. Gleiches trifft auf Stürmer Marcel Goc zu, der wie Erhoff momentan für das Farmteam der San José Sharks, die Cleveland Barons, aktiv ist. Der beste deutsche Stürmer Marcel Sturm (San José, derzeit in Ingolstadt) sagte Greg Poss wegen einer Verletzung ab. Den Bundestrainer stört das allerdings nicht: „Hauptsache, Marco ist im Mai fit, dann brauchen wir ihn bei der WM in Wien.“

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