Sport : Im Allerheiligsten

Friedhard Teuffel

erklärt, warum der Sport im Vatikan angekommen ist Schon lange reicht es dem Sport nicht mehr, einfach nur Sport zu sein. Er wollte auch Wirtschaft sein, deshalb schaffte das Internationale Olympische Komitee, die selbsternannte Weltregierung des Sports, den Amateurstatus ab und begann, Werbeflächen zu verkaufen und Fernsehrechte. Der Sport wollte auch Politik sein, deshalb ging das IOC Bündnisse mit mächtigen Staatsmännern ein, auch wenn es Despoten waren. Als der Sport all dies geschafft hatte, wollte er noch mehr sein, nämlich Moral. Juan Antonio Samaranch, der Präsident des IOC, glaubte fest daran, mit seiner Organisation den Friedensnobelpreis verdienent zu haben und bezahlte sogar eine Agentur, um dieses Ziel zu erreichen.

Inzwischen regiert ein maßvoller Mensch das IOC, der Belgier Jacques Rogge. Und jetzt, eine gute Woche vor den Olympischen Spielen in Athen, hat der Sport etwas ganz Großes geschafft. Er ist im Allerheiligsten angekommen: Der Papst lässt ihn herein und eröffnet im Vatikan ein Sportbüro.

Das Büro soll ein Treffpunkt sein für die Sportorganisationen aus der ganzen Welt, die Vertreter des IOC können also nun ein- und ausgehen im Vatikan. Der Papst lässt erklären, dass er dadurch den Frieden unter den Menschen stärken wolle. Dem IOC wird das wie ein Segen vorkommen, und ein Segen ist mehr wert als ein Friedensnobelpreis.

Vielleicht gelingt dem Papst aber auch etwas anderes in seinem Sportbüro: In der meditativen Ruhe des Vatikans könnte den Vertretern des IOC einfallen, dass sie zu viel gewollt haben. Den Sport haben sie schon lange vergessen.

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