Sport : Im Alltag bemüht

Hannover gelingt beim 1:1 gegen Mainz das Umschalten auf die Liga nur bedingt

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Müde von der Europa League? Hannovers Sergio Pinto (l.) streckt alle viere von sich. Foto: dapd
Müde von der Europa League? Hannovers Sergio Pinto (l.) streckt alle viere von sich. Foto: dapdFoto: dapd

Ihr neues Ziel bleibt eine hartnäckige und äußerst schwer zu lösende Aufgabe. Der Sprung an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga, den Hannover 96 schon in der Vorwoche verpasst hatte, wollte auch am Sonntagnachmittag nicht gelingen. Die zuletzt erfolgsverwöhnten Niedersachsen mussten sich im Heimspiel gegen Mainz 05 mit einem 1:1 (1:1) begnügen. Und die bange Frage für die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka bleibt, ob dieses Team seinen nun schon fast ein Jahr andauernden Höhenflug wirklich fortsetzen kann. „Unsere große Herausforderung ist es jetzt, den jüngsten Erfolg zu bestätigen“, findet Klubchef Martin Kind. Die erstaunliche große Euphorie in Hannover, für die vor allem das internationale Comeback des Vereins sorgt, findet der Präsident wunderbar. Aber das Alltagsgeschäft, in dem das 96-Team leicht ins Straucheln gerät, besitzt für Kind weiter Priorität.

Der Weckruf des FSV Mainz 05, den Hannovers müde Helden hinnehmen mussten, hatte es in sich. Nach nur zwei Minuten hatten die Gäste bereits mit einem nahezu perfekten Spielzug das 0:1 erzielt. Eine Traumkombination über Marcel Risse, die Eric Choupo-Moting eingeleitet hatte, vollendete Torjäger Sami Allagui zur schnellen Führung für Mainz. Diesem Gegentreffer waren in den Folgeminuten auch noch Pfostentreffer von Allagui und Niko Bungert per Kopfball gefolgt.

Es war nicht zu übersehen, dass die Profis von Hannover 96 mit einer Mischung aus müden Beinen und müden Köpfen in die Partie gegangen waren. Erst ein Tor in eigener Sache taugte als der Muntermacher, auf den die Mehrheit der 40 420 Zuschauer gewartet hatte: Schnelle Balleroberung, Pass nach außen, Flanke des überragenden Konstantin Rausch, Tor durch Mohammed Abdellaoue. Dieses bekannte hannoversche Strickmuster für Erfolg machte in der 30. Minute den Ausgleich möglich.

Bei dem Bemühen, den großen Taten der vergangenen zwei Wochen einen ganz normalen Bundesliga-Heimsieg folgen zu lassen, war 96-Trainer Slomka sehr hohes Risiko gegangen. Exakt jener Mannschaft erneut das Vertrauen zu schenken, die noch am Donnerstag im Play-off-Rückspiel der Europa League beim FC Sevilla (1:1) einen erfolgreichen Kraftakt vollbracht hatte, war eine schöne Belohnung für alle beteiligten Spieler. Aber den zuletzt so lauffreudigen 96-Profis wie Jan Schlaudraff, der erst in der 49. Minute entkräftet gegen Didier Ya Konan ausgetauscht wurde, und Lars Stindl war ein verwunderliches Maß an Müdigkeit anzumerken.

Mit seinem Einzug in die Gruppenphase der Europa League hat Hannover den größten Triumph der jüngeren Vereinsgeschichte geschafft. „Erfolg macht sexy“, findet 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke, weiß aber auch ganz genau, dass eine ungewohnte dreifache Belastung durch DFB-Pokal, Bundesliga und Europa League zur Gefahr werden kann.

Die Spielfreude und Gedankenschnelligkeit von Mainz 05 bereitete dem Gastgeber jedenfalls große Mühe. Vor allem Allagui war auf dem Weg zu seinem Treffer und vielen weiteren Torchancen nicht aufzuhalten. Dass es trotzdem nicht zu einem Mainzer Auswärtssieg reichte, war der großen Nachlässigkeit bei den vielen Torchancen und der guten Moral des Kontrahenten geschuldet. Je mehr das 96-Team um den hartnäckig grätschenden Mittelfeldspieler Sergio Pinto ins Kämpfen und Kombinieren kam, desto näher schien der Erfolg zu rücken.

Eine Flanke von Rausch war in der 57. Minute sogar am Querbalken des Mainzer Tores gelandet. Hannovers Spieler erkämpften sich eine Woche nach dem ernüchternden 1:1 gegen Hertha BSC einen am Ende verdienten Punkt – und sind in der Bundesliga immer noch ungeschlagen.

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