Sport : Im Alter von 100 Jahren verstarb die slowenische Turn-Legende Leon Stukelj

Evgen Bergant

In einem am Sonntag von der Zeitung "Nedelo" veröffentlichten Interview sagte er über den Tod: "Ich habe keine Angst, einmal muss es sein. Es soll aber schnell sein." Nur wenige Stunden danach passierte es. Weil Leon Stukelj sich nicht wohl fühlte, rief er in der Nacht den Rettungsdienst. Gegen drei Uhr am Montag verstarb Stukelj an Herzversagen in einem Krankenhaus von Maribor - fünf Tage vor seinem 101. Geburtstag. In Slowenien trauert man um seinen berühmtesten Bürger und die Welt des Sports um den ältesten, bis dahin lebenden Olympiasieger.

1924 in Paris erturnte sich Leon Stukelj die Goldmedaillen im Mehrkampf und am Reck. Vier Jahre später bei den Olympischen Spielen in Amsterdam triumphierte er an den Ringen. An seinem Lieblingsgerät gewann er 1936 in Berlin noch einmal Silber. Eigentlich hatte er schon aufgehört, sich aber nach fünfjähriger Pause zum Berlin-Auftritt überreden lassen. Danach beendete er seine sportliche Laufbahn.

Doch der Ruhm nahm zu, vergleichbar mit dem von Max Schmeling in Deutschland. Der am 12. November im slowenischen Ort Novo Mesto geborene Leon Stukelj war nicht nur ein außerordentlicher Sportler, sondern auch eine herausragende Persönlichkeit. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Jurist, er beherrschte sieben Sprachen. Noch bekannter wurde er mit der olympischen Eröffnungsfeier in Atlanta 1996, als er von IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch geehrt und von US-Präsident Bill Clinton begrüßt wurde.

Als Clinton kürzlich in Slowenien Station machte, lud der von der Fitness und geistigen Präsenz beeindruckte Präsident den Slowenen scherzhaft zu seinem Begräbnis ein. Englands Prinz Charles, nur halb so alt wie Leon Stukelj, meinte nach einem Plausch, nun habe er ein Rezept, wie er auch 100 Jahre alt werden könne.

Das Rezept heißt Askese und ständiges Training von Körper und Geist. Die 63 Stufen zu seiner Wohnungstür meisterte der kleine hagere Mann mehrmals täglich. Regelmäßig kräftigte er seine Muskulatur an Ringen, die er am Türrahmen zwischen Schlaf- und Wohnzimmer befestigt hatte. Ein täglicher Spaziergang, den er mit einer eigenwilligen Atemphilosophie verband, gehörte zur Pflicht. Er aß kleine Mahlzeiten und trank täglich ein Glas selbst gekelterten Wein. Doch eine Geburtstagseinladung von Samaranch zu einem Essen am Freitag in Lausanne musste er wegen Unwohlseins absagen. Um Stukelj trauern besonders seine 87 Jahre alte Frau Lydia, mit der er 66 Jahre lang verheiratet war, und seine 62 Jahre alte Tochter.

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