Sport : Im Auftrag des Herrn

Spieler und Fans von Hertha BSC können bald für Siege beten: Die Kirche will eine Kapelle im Olympiastadion bauen

Robert Ide

Als Bernhard Felmberg zum ersten Mal in der Arena Auf Schalke war, da fielen ihm zwei Dinge auf: der Lärm und die Stille. „Wenn unter dem Hallendach der Ball rollt, ist da ein irrer Geräuschpegel“, schwärmt Felmberg, der Fußballfan. „Und wenn man nach dem Spiel in die Kapelle geht, kann man sich in Ruhe besinnen“, schwärmt Felmberg, der Christ. Auf der Rückfahrt nach Berlin war sich der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche für Berlin und Brandenburg sicher: „Eine Kapelle im Stadion – das brauchen wir auch.“

Die Evangelische Kirche nimmt das Vorhaben ernst. Sie will so schnell wie möglich eine Kapelle im Olympiastadion errichten. „Bischof Huber steht hinter der Idee“, sagte Felmberg am Montag dem Tagesspiegel. „Jetzt wollen wir mit Hertha BSC und der Bundesregierung verhandeln.“ Zudem sollen Sponsoren für den Bau gefunden werden. Die Kirche hat bereits konkrete Vorstellungen, wie das Gotteshaus aussehen soll: ein ruhiger Raum nahe der Umkleidekabinen – mit Altar, einem künstlerisch gestalteten Kreuz und religiös bemalten Fenstern. Hier sollen Spieler und Fans beten und mit einem Pfarrer reden können. Es sei auch legitim, Gott um den Sieg zu bitten. Felmberg besteht aber darauf, dass keine Vereinssymbole neben dem Altar hängen: „Wir wollen keinen Hertha-Hokuspokus.“

Beten am heiligen Fußballrasen – das gibt es bislang nur zweimal auf der Welt: im Stadion Nou Camp in Barcelona und in der Arena Auf Schalke. Besonders in Gelsenkirchen erweist sich die Idee als Erfolg. Seit Einweihung vor eineinhalb Jahren fanden 120 Taufen statt. „Bei Taufen kommen viele Fans, die Distanz zur Kirche haben“, erzählt Pfarrer Hans-Joachim Dohm. Sogar Hochzeiten werden in der Kapelle, die Dohm und ein katholischer Pfarrer leiten, gefeiert. Für die Kirche ist der Zulauf ein Indiz dafür, dass Gott im Stadion ist. „Er ist nahe in der schwärzesten Niederlage und im strahlenden Sieg“, predigte Fernsehpastorin Andrea Schneider beim Wort zum Sonntag aus der Arena. „Ich kann zu ihm kommen. Ob mir zum Heulen ist oder zum Feiern.“

Mit dieser Botschaft will sich die Kirche auch an die Profis wenden. „Viele haben eine enge Beziehung zu Gott, besonders Spieler aus südamerikanischen Ländern“, erzählt Felmberg. Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft hätten die Brasilianer einen kleinen Gottesdienst auf dem Feld abgehalten. „Solche Szenen wollen wir zur WM 2006 in Berlin sehen.“ Herthas Brasilianer um Spielmacher Marcelinho seien jederzeit willkommen im Gotteshaus.

Beim Deutschen Fußball-Bund sind religiöse Bekenntnisse von Spielern nicht so beliebt. Im Sommer wurde den Profis verboten, beim Torjubel Botschaften wie „Jesus liebt Dich“ zu zeigen. Felmberg versteht das nicht: „Es ist doch schön, wenn es um mehr geht als drei Punkte.“ Der Sport dürfe sich nicht so ernst nehmen und selbst als Religion begreifen. „Wohin die Vergötzung des Sports führt, hat man bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin gesehen.“

Bernhard Felmberg, der selbst Hertha- Fan ist und kirchliche Fußballturniere wie die „German Popen Open“ organisiert, wirbt für ein neues Verständnis vom Sport. „Wir wollen, dass die Spieler nicht auf Teufel komm raus gewinnen wollen“, sagt Felmberg. „Denn mit dem Teufel haben wir nichts am Hut.“

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