Sport : Im Auftrag ihrer Majestät

Caroline Wozniacki führt die Tennis-Weltrangliste an – auch dank der Hilfe des dänischen Königshauses

Petra Philippsen

Berlin - Als sich Caroline Wozniacki und Sabine Lisicki vor einem Jahr im Achtelfinale von Wimbledon gegenüber standen, mussten die Zuschauer ganz genau hinschauen. Die Dänin und die Berlinerin trugen nicht nur völlig identische Outfits, sondern hatten sich ihre langen blonden Haare auch zum gleichen Zopf geflochten. Beide hämmern ihre Schläge hart und mit Vorliebe von der Grundlinie über das Netz, und so wirkten sie unfreiwillig wie eineiige Zwillinge. Einst hatte die Tennisspielerinnen so etwas wie eine Freundschaft verbunden, doch schnell wurden sie zu erbitterten Konkurrentinnen; der unbedingte Wille zum schnellen Aufstieg stand zwischen ihnen.

Wozniacki schaffte es schneller an die Spitze als Lisicki, auch wenn die Deutsche das Spiel in Wimbledon im Juni 2009 gewann. Am nächsten Tag schrieb der britische „Mirror“ von der „neuen Steffi Graf“. Das Foto dazu zeigte jedoch Caroline Wozniacki. Die kleine Verwechslung von damals scheint eine Art Vorsehung gewesen zu sein, denn mit dem heutigen Tag führt Wozniacki als erste Dänin und 20. Spielerin der Tennisgeschichte die Weltrangliste an.

Die 20-Jährige löst damit die US-Amerikanerin Serena Williams ab, die seit Juli an einer Fußverletzung laboriert. „Ich habe mein Leben lang hart gearbeitet, um das zu erreichen“, sagte Wozniacki. Schon sehr früh hatte sich bei der aus Odense stammenden Tennisspielerin ein großes Talent abgezeichnet. Mit neun Jahren gewann Wozniacki die dänischen Meisterschaften der unter Zwölfjährigen. Mit elf Jahren wurde sie an den Kopenhagener Hof geladen, eine Stiftung der königlichen Familie übernahm fortan ihre finanzielle Förderung. Kronprinz Frederik gilt als Wozniackis prominentester Fan und steht in regem Kontakt mit ihr.

Der dänische Thronfolger verfolgte, wie sich der rasche Aufstieg Wozniackis bereits vor einem Jahr mit ihrem ersten Finaleinzug bei den US Open andeutete. Damals unterlag sie noch der Belgierin Kim Clijsters, doch ihr kraftvolles Defensivspiel, ihre Athletik und der unbändige Kampfgeist begeisterten die Fans und lösten in Dänemark einen nie da gewesenen Tennis-Boom aus. Als Wozniacki im August im Viertelfinale von Kopenhagen gegen die Deutsche Julia Görges antrat, erreichten die heimischen Einschaltquoten eine historische Bestmarke für Tennisübertragungen.

Dem Sieg in Kopenhagen folgten in Montreal und New Haven gleich zwei weitere Titel vor den US Open. Dort wurde sie aufgrund des Ausfalls von Serena Williams erstmals als Nummer eins der Setzliste geführt – dort gehöre sie auch hin, betonte Wozniacki trotzig, scheiterte dann jedoch im Halbfinale. Bei den Grand Slams fehlt ihr die letzte Durchschlagskraft. Mit diesem Makel als Nummer eins muss sie leben.

Nach dem Erfolg in der Vorwoche in Tokio erreichte Wozniacki auch das Finale in Peking. Das Duell mit der Russin Wera Swonarewa musste wegen anhaltenden Regens allerdings auf den heutigen Montag verschoben werden.

Mehr und mehr bestimmt Wozniacki auch mit öffentlichen Auftritten die Schlagzeilen. „Es macht Spaß, berühmt zu sein“, sagte sie, als sie bei den US Open in einem schwarzen Designerkleid antrat, das so kurz war, dass es ständig ihre knapp-sitzenden knallgelben Shorts freilegte. Passend dazu funkelte ihr gelber Nagellack. „Ich werde so eine Menge männlicher Fans dazugewinnen“, sagte Wozniacki, die bereits seit ihrem Vorstoß in die Top 20 vor zwei Jahren geschickt vermarktet wird. Sie twittert und zeigt sich offenherzig in Video-Blogs. Wozniacki will in die Riege der Glamour-Girls à la Scharapowa und Williams gehören. Auch wenn dieses Gehabe manchmal etwas aufgesetzt wirkt – mit Sabine Lisicki wird sie als Nummer eins der Welt wohl niemand mehr verwechseln.

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