Sport : Im Bunde mit der Wahrscheinlichkeit

Obwohl noch Schalke im Pokalfinale wartet, reden die Bayern schon vom Double

Mathias Klappenbach[Bielefeld]

Nach siebzig Minuten erschien auf der Videoleinwand die Aufforderung: „Lauter, lauter.“ Aber es ging nicht mehr lauter, die Fans in der ausverkauften Bielefelder Schüco-Arena trieben ihre Arminia schon mit all ihrer Stimmgewalt nach vorne. Und auch auf dem Platz war keine Steigerung mehr drin. Der Ausgleich wollte im größten Spiel der Bielefelder Vereinsgeschichte einfach nicht fallen, und am Ende gewann der FC Bayern das DFB-Pokal-Halbfinale 2:0, weil er wieder einmal die effektivere Mannschaft war. Was den Münchnern auf internationaler Ebene der FC Chelsea vorgemacht hatte, zeigten diese ihrerseits den Bielefeldern im nationalen Wettbewerb.

Der Rekordmeister hat nun die Möglichkeit, das Ausscheiden in der Champions League mit dem Double aus Meisterschaft und Pokalsieg zu kompensieren. „Man kann nicht jedes Jahr ins Champions-League-Finale einziehen“, sagte Oliver Kahn, der mit mehreren großartigen Paraden einen Treffer der Arminen verhindert hatte. „Wenn du das Double holst, war es von A bis Z eine phänomenale Saison.“

Um dieses verbliebene Saisonziel zu erreichen, wollen sich die Münchner aber nicht nur auf ihre Effektivität und ihre spielerische Klasse verlassen, das hätte an diesem Abend gegen eine starke Bielefelder Mannschaft wohl auch nicht gereicht. Der Favorit verwaltete den Vorsprung nach dem frühen Führungstor durch Michael Ballack nicht nur clever, er kämpfte mit großem Einsatz um ihn. So sah es auch der Bielefelder Trainer Uwe Rapolder, und er wollte das ausdrücklich als Kompliment an die Münchner verstanden wissen. „Wir haben den Fight angenommen“, sagte Michael Ballack, der sich schon kurz nach dem Spiel auf das Pokalfinale „der beiden besten Mannschaften in Deutschland“ gegen Schalke 04 freute. Der Erste gegen den Zweiten, ein solches Endspiel hat es noch nie gegeben. „Wir haben da noch etwas gutzumachen“, sagte Bayerns Manager Uli Hoeneß. In der Bundesliga haben die Münchner beide Spiele in dieser Saison gegen die Schalker verloren.

Auf der Bielefelder Alm wurde es am Ende doch noch einmal lauter, als Schiedsrichter Markus Merk in der Nachspielzeit noch einen unberechtigten Elfmeter nach einem angeblichen Foul von Benjamin Lense an Claudio Pizarro gab. Der Frust über die enttäuschte Hoffnung auf den Einzug ins Finale und vielleicht sogar den internationalen Wettbewerb entlud sich bei den Bielefelder Fans und Spielern in wütenden Protesten. Delron Buckley sah nach seinem Schubser gegen Merk die Rote Karte, für kurze Zeit war der Schiedsrichter der Sündenbock dafür, dass es den Arminen nicht gelungen war, die Gesetze der Fußball-Mathematik zu überwinden. „Normalerweise verlieren wir gegen einen Aufsteiger nicht zweimal hintereinander“, hatte Uli Hoeneß gesagt, weil die Münchner in der Liga 1:3 auf der Alm unterlegen waren. Daran knüpfte Oliver Kahn nach dem Spiel gleich an: „Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung wird es den Schalkern nicht ein drittes Mal gelingen, uns zu schlagen.“

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