Sport : Im Cup der Hoffnung

Hertha BSC erwartet gegen Odense ein leeres Stadion und ein schweres Spiel

Stefan Tillmann

Berlin - 500 Kilometer südwestlich von Berlin sieht das Ganze etwas euphorischer aus. „Wir wollen unbedingt in die Gruppenphase des Uefa-Cups einziehen. Wir werden alles geben, um uns und den Fans diesen Traum zu erfüllen“, sagt Benjamin Huggel, Mittelfeldspieler beim Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Vor dem Duell gegen den dänischen Vizemeister Bröndby Kopenhagen hat der Klub bereits 36 800 Karten verkauft.

Bei Hertha BSC in Berlin, wo Euphorieschulung diese Saison fast schon in den Trainingsplan gelangt ist, tun sich die Verantwortlichen etwas schwerer mit dem Uefa-Cup. „Bei einem etwas namhafteren Gegner würden mehr Zuschauer kommen“, sagt Herthas Trainer Falko Götz. Gerade mal 11000 Tickets hat der Bundesligist für das Spiel in der ersten Runde gegen Odense BK heute im Olympiastadion (17 Uhr, live im DSF) verkauft, und der Verein kann zufrieden sein, wenn doppelt so viele kommen.

Natürlich hinkt der Vergleich zwischen Frankfurt und Berlin: Odense ist in der dänischen Liga hinter Bröndby nur Dritter geworden und die Anstoßzeit in Frankfurt ist mehr als drei Stunden später und für die Fans günstiger. Womöglich denken die Hessen nach Jahren des Entzugs, der Uefa-Cup garantiere immer noch große Spiele. Andererseits bedeutet die Aussage von Götz auch ein interessantes Eingeständnis: Die Zuschauer kommen nicht wegen Hertha, sondern wegen des Gegners ins Olympiastadion – oder eben nicht. In der Bundesliga hat Hertha eine geringe Zugkraft bei Auswärtsspielen. International ist der Klub relativ unbekannt. In europäischen Wettbewerben glänzte Hertha Ende der Siebzigerjahre. In Erinnerung blieben vielmehr triste Spiele vor magerer Kulisse.

Götz nennt den Uefa-Cup „einen Bonus für eine gute Bundesligasaison“ und nimmt das Spiel sehr wichtig. Manager Dieter Hoeneß räumt ein, dass der Wettbewerb durch die Aufwertung der Champions League an Attraktivität verloren habe. Nach der ersten Runde folgt eine Gruppenphase mit fünf Teams, die nicht unbedingt mehr Zuschauer lockt. In der vergangenen Saison sahen 22 600 Zuschauer das 3:1 gegen Apoel Nikosia. Zu den beiden Spielen gegen RC Lens und Steaua Bukarest in der Gruppenphase kamen insgesamt nur 34 000. Beide Spiele endeten 0:0. Hertha kam in die Runde der letzten 32, scheiterte dort an Rapid Bukarest. Auch finanziell ist der Uefa-Cup wenig lukrativ. Laut Manager Dieter Hoeneß blieb nach dem Ausscheiden eine geringe sechsstellige Summe übrig. Erst ab dem Achtelfinale, wenn möglicherweise attraktive Gegner aus der Champions League hinzukommen, wird der Wettbewerb interessanter.

So weit muss Hertha BSC erst einmal kommen. Denn diese Woche mit DFB-Pokal, Uefa-Cup und Bundesliga zeigt auch die Belastung für den kleinen Kader. Nach dem DFB-Pokalspiel in Darmstadt sind Pal Dardai, Josip Simunic und Yildiray Bastürk angeschlagen. Insbesondere der Einsatz von Dardai, der eine Oberschenkelprellung hat, ist fraglich. Für ihn könnte Sofian Chahed die defensive Position im Mittelfeld besetzen. Bastürk und Simunic sind schwieriger zu ersetzen.

Christian Gimenez kann hingegen erstmals international für Berlin spielen, nachdem er in der Qualifikation noch nicht spielberechtigt war. Bei Odense BK spielt im Sturm wohl Rajko Lekic für den noch nicht spielberechtigten Neuzugang Kim Christensen. Die Dänen werden nominell zwar mit drei Spitzen spielen, allerdings werden sich die Außenstürmer Martin Borre und Jonas Börring ins Mittelfeld zurückziehen. „Englisch orientiert“, nennt Falko Götz die Spielweise, was Odenses schottischer Trainer Bruce Rioch nicht gerne hören wird.

Zumindest Falko Götz will dieses Jahr im Uefa-Cup attraktiver spielen lassen. In der Bundesliga war dies den Berlinern zuletzt gelungen. Deshalb ist zumindest in der Liga eine gewisse Aufbruchstimmung zu spüren. Gegen Schalke am Sonntag rechnet der Klub mit 60 000 Zuschauern. Das werden auch die euphorischen Frankfurter gegen Bayer Leverkusen nicht schaffen können. Das Stadion ist nicht groß genug.

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