Sport : Im Dienst der Mannschaft

Fredi Bobic erfährt zurzeit bei Hertha BSC hohe Wertschätzung – als Torvorbereiter

Stefan Hermanns

Berlin - Als es ernst wurde, zog Fredi Bobic den Kopf ein. Im entscheidenden Moment aber, ließ er ihn wieder in die Höhe schnellen. Bobic erwischte den Ball mit der Stirn, leitete ihn in den Lauf seines Kollegen Gilberto, und der vollendete die Vorlage zum 1:0 für den Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC gegen Bayer Leverkusen. „Es war ein bisschen Glück dabei, dass der Abwehrspieler das Abseits aufhebt“, sagte Bobic. Dass seine Kopfballvorlage eine ungeahnte Perfektion aufwies und wie gewollt aussah, sagte er nicht.

Es ist ein bisschen paradox: Seit anderthalb Jahren spielt Bobic in Berlin, und in dieser Zeit hat sich das Publikum ein festes Bild von seiner Spielweise gemacht, von seinen Stärken und Schwächen. Demnach ist Bobic ein Stürmer, der auf die Hilfe anderer angewiesen ist, der sich in der Mitte des Strafraums fein bedienen lässt und als Gegenleistung wichtige Tore für seine Mannschaft erzielt. Das Dumme war, dass die Mannschaft sich zwar nach Kräften mühte, ihren Teil des Geschäfts einzulösen, Bobic aber immer mehr in Zahlungsrückstand geriet. Sieben Tore hat er in der vorigen Saison erzielt, in dieser ist es erst eins.

Doch jetzt gerät alles ins Wanken, was man bisher von Bobic zu wissen glaubte. Beim 3:1 gegen Leverkusen blieb er wieder ohne Torerfolg, dafür bereitete er zwei Treffer vor. Aus dem Bedienten ist ein Mannschaftsdiener geworden, und das eigentlich Überraschende ist, dass Bobic, der lange unter Egoismusverdacht stand, an dieser Rolle seinen Gefallen gefunden hat: „Das mache ich doch gerne.“

Der Wandel war schon vor zwei Wochen in Kaiserslautern zu beobachten. Bobic machte ein gutes Spiel, weil er sich in den Dienst der Mannschaft stellte. „Ich bin noch nie so viel gelaufen“, sagte er nach Herthas erstem Saisonsieg. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung blieb vor allem hängen, dass er schon in der ersten Minute eine ausgezeichnete Möglichkeit vergab. Dass Bobic später auf der eigenen Torlinie den 1:0-Vorsprung rettete, wird hingegen schnell vergessen. Wahrscheinlich ist dies das Los eines Stürmers. Doch Bobic, der Ende des Monats 33 wird, scheint darauf mit einer gewissen Altersmilde zu reagieren.

Vielleicht liegt das auch daran, dass er bei Hertha zurzeit eine Wertschätzung genießt, die ihm seit seinem Wechsel nach Berlin noch nicht zuteil geworden ist. Die Kollegen, so sagt Bobic, honorierten sein Engagement mit Respekt, und auch Manager Dieter Hoeneß lobte den Angreifer: „Entscheidend ist, dass er sich so einbringt. Wenn ein Mittelstürmer zwei Tore vorbereitet, ist das eine fantastische Ausbeute.“ Trainer Falko Götz glaubt: „Auch das gibt ihm Sicherheit.“

Doch das 4-5-1-System, das Götz im Moment spielen lässt, erleichtert Bobic das Toreschießen nicht unbedingt. Er wird zwar von vier offensiven Mittelfeldspielern unterstützt, ist aber der einzige Stürmer, der sich in der Spitze gegen die gesamte Innenverteidigung des jeweiligen Gegners behaupten muss. Mit zwei Angreifern wäre es einfacher, Verwirrung zu stiften, so aber konzentriert sich die gegnerische Abwehr allein auf ihn. „Du musst mehr ackern. Die Wege werden länger“, sagt Bobic. „Aber so ist das System. Ich habe mich darauf eingestellt.“

Für Trainer Götz jedenfalls „spricht nichts dagegen, weiter so zu spielen“ – solange die Mittelfeldspieler die Räume im Sturm nutzen und die Tore erzielen. „Wir haben keine Tormisere“, sagt Götz. Zehnmal haben Herthas Spieler in den ersten acht Begegnungen der Saison getroffen. Neun Tore steuerte das Mittelfeld dazu bei, nur eins die Angreifer. Immerhin: Fredi Bobic kann im Moment von sich behaupten, dass er alle Stürmertore Herthas erzielt hat.

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