Sport : Im Fall des Falles

Der HSV präsentierte sich sicher – anders als Nürnbergs Torwart Schäfer

Karsten Doneck[Hamburg]

Seine Aufgabe zählt zu den eher unspektakulären im Fußball. David Jarolim bearbeitet beim Bundesligisten Hamburger SV die rechte Seite. Auf den ersten Blick bedeutet das eine Menge Rennerei und ein bisschen Flankenschlagen. Beim souveränen 3:0 (2:0)-Sieg des HSV zum Saisonauftakt gegen den 1. FC Nürnberg gestaltete Jarolim seine Rolle allerdings weitaus kreativer. Er zerstörte viele Nürnberger Angriffe im Ansatz, wuselte unermüdlich über den Platz und versuchte bei jeder Gelegenheit, offensiv Druck auf den Gegner auszuüben. Selbst ein Star wie der für 5,1 Millionen Euro geholte Rafael van der Vaart sah im Vergleich zu Jarolim diesmal blass aus.

Jarolim holte in seinem 120. Bundesligaspiel auch den Elfmeter heraus, der kurz vor der Pause zum vorentscheidenden 2:0 führte. Sergej Barbarez verwandelte den Strafstoß glücklich und ziemlich kurios, indem er den Ball unabsichtlich genau durch die Beine von Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer schob. Lars Müller hatte zuvor Jarolim im Nürnberger Strafraum rüde attackiert. Müllers Attacke brachte FCN-Trainer Wolfgang Wolf mächtig in Rage. „Wir wissen, dass Jarolim manchmal die Fallsucht hat. Da kann man doch als Abwehrspieler nicht so hingehen“, schimpfte Wolf.

In der vorigen Saison hatte sich Jarolim sogar mal einen Rüffel seines Trainers Thomas Doll eingehandelt, der ihn wissen ließ, dass er, Doll, es nicht so sehr schätze, wenn ein Spieler nach jeder Berührung gleich zu Boden gehe und sich dort theatralisch herumwälze. „Wir haben durch den Elfmeter die nötige Sicherheit bekommen“, sagte Doll diesmal. Dass die Hamburger vorher nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzten, hatte auch damit zu tun, dass mit Daniel van Buyten und Khalid Boulahrouz die wichtigsten Spieler aus der Innenverteidigung wegen Verletzung fehlten. Als Vertreter standen aber Bastian Reinhardt und Guy Demel derart sicher, dass Doll nachher feststellte: „Wir haben fast keine Torchancen zugelassen.“

Insgesamt scheint die Abwehr des HSV gegenüber der vorigen Saison an Festigkeit zugelegt zu haben. In den letzten beiden Runden des UI-Cups mit Hin- und Rückspiel gegen Uniao Leiria und Sigma Olmütz sowie jetzt zum Bundesligaauftakt gegen den 1. FC Nürnberg musste die Mannschaft keinen einzigen Gegentreffer hinnehmen. Das letzte Gegentor fing sich Torwart Stefan Wächter beim 4:1-Sieg in Runde eins des UI–Cups in Prilep ein – vor exakt 508 Spielminuten. „Jeder weiß eben bei uns, was er zu tun hat“, sagte Doll.

Dass David Jarolim gegen Nürnberg so auftrumpfte, war vielleicht auch eine Frage der Motivation. Der 26-Jährige war schließlich Ende August 2003 von Nürnberg nach Hamburg gewechselt. Er bekam vom HSV einen Vertrag bis 2008. „Mehr Variabilität und Flexibilität im Offensivbereich“, erwartete HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer damals von dem Tschechen, dessen Vater Karel als Trainer bei Sparta Prag arbeitet. Jarolim wurde damals von Beiersdorfer wohl eher noch etwas unterschätzt. Gegen Nürnberg stand er nämlich auch defensiv durchaus seinen Mann.

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