Sport : Im falschen Traum

Hertha BSC hat viel von der Champions League geredet – und dann beim 1:2 in Rostock eine gute Chance verspielt

Michael Rosentritt[Rostock]

Als Falko Götz Sekunden vor dem Anpfiff den Rasen überquerte, schlug vor seinen Füßen eine Feuerwerksrakete ein, abgefeuert aus dem Block der Hertha-Fans. Es war der Auftakt eines unerfreulichen Nachmittags für Hertha BSC. Die Mannschaft von Götz zeigte eine schwache Leistung und torpedierte damit ihre eigenen Ziele. Nach Toren von Tim Sebastian und Jari Litmanen sowie einem Treffer von Yildiray Bastürk verloren die Berliner vor 25 100 Zuschauern im Rostocker Ostseestadion mit 1:2 (0:1). Hertha BSC verspielte damit die Chance, der Champions League ein gutes Stück näher zu kommen. Bei einem Sieg wären die Berliner Tabellendritter gewesen, so aber rutschten sie auf Platz fünf. „Es ist jammerschade, dass man so eine Chance vergibt“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Und ein verärgerter Falko Götz fügte hinzu: „Meine Mannschaft hat hier eine Stunde lang nichts gemacht.“

In der Halbzeitpause war es in der Kabine der Berliner sehr laut geworden. „So konnte es nicht weitergehen“, sagte Götz hinterher. Es war noch eine recht diplomatische Umschreibung der Leistung der Berliner. In den ersten 45 Minuten erspielte sich Hertha eine Torchance, die Rostocker hatten fünf. Dass Hansa das Spiel nicht im ersten Spielabschnitt für sich entschieden hatte, lag am Hertha-Torwart. Christian Fiedler parierte die Schüsse von Marcus Lantz und René Rydlewicz. Sekunden vor dem Halbzeitpfiff aber wurde auch er bezwungen. Tim Sebastian, 21 Jahre alt, gelang mit einem schönen Weitschuss die Führung. Es war das erste Bundesligator des defensiven Mittelfeldspielers, der zudem noch über 90 Minuten den Aktionsradius von Herthas Spielmacher Marcelinho erheblich einengte. Der Abstiegskandidat spielte mit mehr Leidenschaft, war aggressiver in den Zweikämpfen und im Spielaufbau ideenreicher. „Rostock wollte mehr gewinnen als wir“, sagte Herthas Manndecker Josip Simunic.

Nach Siegen über Bremen und Schalke war Hertha als Favorit an die Ostsee gefahren. Götz hatte einzig den gesperrten Niko Kovac durch Pal Dardai zu ersetzen. Doch die, die in Rostock aufliefen, hatten die Warnungen des Trainers wohl nicht verstanden. „Wer zu viel träumt, wacht böse auf“, sagte Manager Hoeneß. Das Gerede von der Champions League habe der Mannschaft nicht gut getan. Die Spieler hätten geglaubt, die Rostocker anrennen lassen zu können, um sie auszukontern. „Wir haben die ersten 45 Minuten hergeschenkt“, sagte Hoeneß.

Erst nachdem die Rostocker durch Jari Litmanen das 2:0 erzielt hatten, wachten die Berliner auf. Falko Götz hatte Gilberto und Dick van Burik vom Feld genommen. Andreas Neuendorf und Alexander Madlung wirkten etwas belebend, mehr aber als der Anschlusstreffer durch Bastürk sprang nicht heraus. Der türkische Nationalspieler hatte eine Viertelstunde vor dem Ende eine feine Einzelleistung mit dem 1:2 abgeschlossen. „Wir haben leider nicht so dagegen gehalten, dass sich unsere spielerische Klasse durchsetzen konnte“, sagte Götz. Die Berliner zeigten nur selten ihr Potenzial. Marcelinho, seit Wochen in bestechender Form, wirkte lustlos, seine Nebenleute Gilberto und Thorben Marx spielten ohne Aufwand. So fanden die Berliner nie ihren Rhythmus, der sie zuletzt stark gemacht hatte. Und mit jeder Spielminute sank das Selbstvertrauen. „Die erste Halbzeit hat uns kaputt gemacht“, sagte Herthas Kapitän Arne Friedrich.

„Wir haben das Spiel dominiert“, sagte Rostocks Trainer Jörg Berger. „Meine Mannschaft hat gezeigt, dass wir uns noch nicht aufgegeben haben.“ Die Berliner müssen in den verbleibenden Spielen zeigen, dass sie gehobenen Ansprüchen genügen. „Jetzt müssen wir sehen, dass wir den Uefa-Cup-Platz unter Dach und Fach bringen“, sagte Bastürk. Der Traum von der Champions League verpuffte in Rostock fast so schnell wie die Feuerwerksrakete aus dem Berliner Fanblock.

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